Luxemburg : Für sein Zuhause auf Zeit schrieb Edward den «Differdange Song»

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Luxemburg Für sein Zuhause auf Zeit schrieb Edward den «Differdange Song»

DIFFERDINGEN – Der 71-jährige Edward aus Toronto hat sich im April 2021 in den Straßen der luxemburgischen Eisenstadt niedergelassen. Als Zeichen der Dankbarkeit hat er einen Song aufgenommen. Die Bürgermeisterin soll ihn als erstes hören.

von
Pascal Piatkowski
Edouard sans abri
Differdange 
parc Gerlache 

photo : Vincent Lescaut

L'essentiel/Vincent Lescaut

Mit seinem weißen Bart, stahlblauen Augen und seiner Gitarre zieht Edward auf einer Bank im Gerlache-Park in Differdingen alle Augen auf sich. Angetan von der kurzen Entfernung zwischen Bahnhof und der grünen Oase im Herzen der Stadt, ließ sich der Obdachlose aus Toronto samt seiner Koffer im April 2021 in der Stadt nieder. «Ich habe mich für Luxemburg entschieden, weil es eines der wenigen Länder in Europa ist, das ich noch nicht kannte», erklärt der Vielreiser – seit seinem ersten Besuch in Europa im Jahr 2005 hat er rund 100 Städte bereist, darunter Prag, Berlin, Barcelona, Paris und Budapest.

In Differdingen lernte Edward (71) Saverio Rella, den Leiter des Streetwork-Dienstes «collecDIFF», kennen. Der Pädagoge arbeitet mit drei weiteren Personen an einem von der Gemeinde finanzierten Pilotprojekt der Caritas, mit dem das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung verbessert werden soll. Durch eine gemeinsame Leidenschaft für Musik entstand schnell Vertrauen zwischen den beiden. «Ich schlug ihm vor, ein Lied über Differdingen zu komponieren und Edward fand schnell Gefallen daran», erzählt Saverio Rella.

«Ein Zeichen der Dankbarkeit gegenüber der Stadt, die ihn aufgenommen hat»

Es dauerte einige Monate, bis das Projekt ausgereift war, doch schließlich wurde es in Packo Gualandris' Studio in Oberkorn verwirklicht. «The Differdange Song», eine englischsprachige Single von etwas mehr als zwei Minuten Länge, wartet nur noch darauf, online gestellt zu werden. «Wir möchten es zuerst der Bürgermeisterin Christiane Brassel-Rausch vorspielen», erzählen die beiden Männer, «denn es ist in erster Linie ein Lied für die Gemeinde». Danach sei eine Radioausstrahlung und ein Videodreh nicht ausgeschlossen.

Edward ist ein nahezu schüchterner und verschlossener Mann, der sich nur ungern in ein Heim begibt, sondern lieber unabhängig und frei ist, egal bei welchem Wetter. «Dieses Lied ist ein Zeichen der Dankbarkeit gegenüber der Stadt, die ihn aufgenommen hat», sagt Saverio Rella. «Bevor er wieder geht, möchte Edward eine musikalische Spur seiner Zeit bei uns hinterlassen».

«Oberkorn» (It's a Small Town)

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