«Ocean's 8» – Funktioniert das Gauner-Kino auch mit Frauen?

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«Ocean's 8»Funktioniert das Gauner-Kino auch mit Frauen?

Mit «Ocean's 8» hat eine weitere Blockbuster-Reihe ihr weibliches Pendant bekommen. Manche Dinge gelingen dem Film gut, andere hingegen gar nicht.

Als bekannt wurde, dass die «Ocean's»-Trilogie mit einem rein weiblichen Cast wiederbelebt wird, war das Stöhnen groß: Noch ein Remake der Gleichstellung halber, das ging letzten Sommer doch schon bei «Ghostbusters» in die Hose. Es wundert nicht.

Spin-offs erfolgreicher Franchises haben immer einen schweren Stand, die Erwartungen sind hoch, auch ohne Gender-Konzept. «Ocean's 8» sollte mit allen Gimmicks der Vorgänger kommen, und dessen Regisseur und Heist-Film-Profi Steven Soderbergh (55) war weiter als Produzent involviert.

Wir fassen zusammen, welche Versprechen das Spin-off einhält und wo es kläglich scheitert.

Unterfordert: der Cast

Mit Sandra Bullock (53), Cate Blanchett (49) und Anne Hathaway (35) sind drei oscarprämierte Hollywood-Allrounder dabei, Rap- und Schauspiel-Newcomerin Awkwafina (29) und Mindy Kaling (38) bringen Comedy, Mega-Star Rihanna (30) liefert Popkultur, und Sarah Paulson (43) sowie Helena Bonham Carter (52) sprenkeln das Ensemble mit Arthouse-Charme. Sie könnten allesamt brillieren, gäbe ihnen das Drehbuch die Chance dazu.

Gescheitert: das Gender-Konzept

Während die einzelnen Figuren durchaus Spannung aufbauen und Klischees hinterfragen, etwa Rihanna als jamaikanisches Hacker-Genie, versumpft ihre individuelle Stärke in Gruppenmomenten. So übernehmen Mode-, Schmuck- und Racheplot – gängige Girls-Klischees – den Lead.

Dabei hätten diese durch smarte Dialoge, das «Ocean's»-typische Schmäh-Ping-Pong und Ganggefühl gut aufgehoben werden können. Doch erst Comedian James Corden (39), der gegen Ende scheinbar aus dem Nichts ums Eck kommt, bringt neue Dynamik. Noch ein Klischee bestätigt.

Halb gelungen: die Story-Twists

Die Geschichte um das selbstverliebte Starlet Daphne Kluger, dem die Juwelen vom Hals gestohlen werden sollen, hat einen Dreh, für dessen Darstellung Anne Hathaway ein echtes Juwel verdient. Der andere Twist ist James Corden, der zwar Spaß macht, aber eben dem Film mit Blick aufs übergeordnete Gender-Konzept nicht guttut.

Perfekt: das Pomp-Prinzip

So geballt wie in «Ocean's 8» kamen Gloss und Glamour selten auf die Leinwand. Met-Gala, Social-Media- und Fashion-Celebs, flamboyante Designerkleider; es ist ein bisschen, als würde man knappe zwei Stunden durch Fotostrecken einer guten «Vogue» blättern. Das Highlight: Rihanna mit Dreadlocks und Volants-gesäumtem Mega-Dekolleté im samtroten Galakleid.

Das Fazit: Der Film macht durchaus Spaß, vor allem visuell, schafft es aber nie, richtig zu begeistern. Schade.

Der Trailer zum weiblichen Ableger der erfolgreichen Trickdieb-Trilogie. (Video: 20th Century Fox)

(L'essentiel/mel)

Zum Film: Als Debbie Ocean (Sandra Bullock) aus der Haft entlassen wird, in die ihr Ex-Freund sie manövrierte, hat sie sich den nächsten Coup längst zurechtgelegt: Ein 150-Millionen-Dollar-Collier von Cartier stibitzen. Sie schart sieben verbündete Gaunerfrauen um sich und plündert die Schatzkiste – und gewissermaßen auch den Ex – während des wichtigsten Mode-Events des Jahres, der Ausstellungseröffnung im New Yorker Metropolitan Museum of Art.

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