Genetische Besonderheit – Gab es wirklich mal blaue Menschen auf der Erde?

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Genetische BesonderheitGab es wirklich mal blaue Menschen auf der Erde?

Die Fugate-Familie hatte ein auffälliges Familienmerkmal: eine blaue Hautfarbe. Das Phänomen setzte sich über Generationen durch – und ist auch heute noch möglich.

Wer das Porträt der blauen Familie anschaut, könnte das ganze für einen Internet-Hoax halten. Doch weit gefehlt: Diese Familie gab es wirklich. Angefangen hat alles 1820 in Amerika. Martin Fugate, ein Waise aus Frankreich, ist nach Kentucky ausgewandert und hat dort Elisabeth Smith geheiratet. Gemeinsam zogen sie in die entlegenen Appalachen, in eine Gegend genannt Troublesome Creek (auf deutsch etwa: beschwerlicher Bach).

Martin und Elisabeth hatten sieben Kinder – vier davon wurden mit blauer Haut geboren. Doch wie kam's überhaupt? Martin und Elisabeth trugen beide ein sehr seltenes Gen in sich, das für die Färbung verantwortlich war. Da das Gen rezessiv ist, kann es sich nur unter bestimmten Bedingungen durchsetzen – vor allem wenn der Partner ebenfalls über dieses Gen verfügt. Was bei Inzest schneller der Fall ist.

Je mehr Inzest, desto blauer die Kinder

Da die Familie so abgeschnitten von der Außenwelt war – Troublesome Creek wurde erst 1910 an die Bahn angeschlossen – heiratete der älteste Sohn von Martin und Elisabeth die Schwester von seiner Mutter. Also seine eigene Tante. Dieses und ähnliche Verpartnerungen setzten sich über die nächsten Generationen fort. Je länger der Inzest betrieben wurde, umso blauer wurden die Nachkommen. Was wiederum dazu führte, dass die umliegenden Dörfler sie erst recht nicht heiraten wollten.

In den 1960ern gab es einen Versuch, die blaue Familie wieder in die Gesellschaft zu integrieren, indem man ein Heilmittel gegen die Färbung suchte. Ein Hämatologe fand heraus, dass das Blut der Fugates eine hohe Menge an Methomoglobin enhält – eine an sich harmlose Variante des Hämoglobin. Hämoglobin verleiht «normalem» Blut seine typische rote Farbe, Methomoglobin färbt das Blut blau. Der Doktor, Madison Cawein, fand zudem heraus, dass der Familie das Enzym Diaphorase fehlt, welches Methomoglobin in Hämoglobin umwandelt.

Ausgeschlossen sind blaue Kinder nicht

Die Lösung für das Problem: mehr Blau! Tatsächlich gibt es einen speziellen Farbstoff, der die Haut der Fugates innerhalb von Minuten in Hautfarbe umwandelt. Diesen müssen die Familienmitglieder regelmäßig zu sich nehmen, da sich die Wirkung sonst verliert. Nachdem die Fugates nun normal aussahen und die Gegend immer besser an bewohntere Gegenden angeschlossen wurde, zogen einige fort. So verlor sich die Konzentration des rezessiven Gens und es wurde unwahrscheinlich, dass sich zwei Träger des Gens begegnen und Kinder miteinander zeugen.

Ausgeschlossen sind Kinder mit blauer Haut aber nicht: 1975 wurde Benjamin Stacey in einem kleinen Krankenhaus in Hazard Kentucky geboren – mit blauer Haut.

(L'essentiel)

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