No Future – Game-Hardware, die zum Scheitern verurteilt ist

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No FutureGame-Hardware, die zum Scheitern verurteilt ist

China will mit der Gamekonsole Obox den Westen erobern. Sie wird bei westlichen Gamern auf Granit beißen. Es ist nicht die erste Hardware, die scheitert.

Sie war der Hype vor rund zwei Jahren: die Android-Spielkonsole Ouya. Getragen von einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne wurde der schmucke Würfel im März 2013 an die ersten Unterstützer ausgeliefert. Heute spricht kaum mehr jemand von der Ouya. Das Techmagazin TheVerge.com hatte sie bereits vor einem Jahr abgeschrieben.

Um den Spielquader trotzdem nicht auf den Müllhaufen der Gamegeschichte werfen zu müssen, haben die Ouya-Macher China als möglichen Markt ins Blickfeld genommen. Im Reich der Mitte sind die günstigen Android-Konsolen beliebt, wie eine Konsole namens Obox des chinesischen Hardware-, Mobiltechnologie- und Game-Entwicklers Snail Games beweist. Geht der Westen nach China, kommt China in den Westen: An der diesjährigen Consumer Electronics Show in Las Vegas hat Snail Games den Start der Obox und des portablen Android-Smartphones W 3D in westlichen Breitengraden angekündigt.

An den Bedürfnissen vorbeigeplant

Ihr Scheitern ist vorauszusehen, da die Obox ebenso an den Bedürfnissen westlicher Gamer vorbeigedacht ist wie es die Ouya war. Sie ist weder Fisch noch Vogel: Ihr fehlt die Rechenpower, um groß Spiele darauf laufen zu lassen. Sie lässt sich auch nicht wie ein Smartphone in der Tasche mittragen. Neben der Ouya haben deshalb auch andere Android-Geräte wie die Nvidia Shield oder der Gamesticks den Durchbruch nie geschafft.

Beim W 3D von Snail Game handelt es zwar um ein Smartphone (weshalb das Android-Betriebssystem Sinn macht), es ist jedoch mit zusätzlichen Gamesteuerungselementen ausgestattet. Ein Smartphone funktioniert, weil es ein smartes Gerät ist: Es vereint nützliche und unterhaltsame Funktionen auf intelligente Weise – ohne zusätzliche Hilfsmittel. Wer aber will ein Smartphone mit Elementen, welche die Hosentasche zusätzlich ausbeulen? Wer will ein Smartphone, dessen Smartness durch zusätzliche Elemente in Frage gestellt wird?

Fehlplanungen an der Gamegemeinde vorbei gehören aber ebenso zum Geschäft wie Games, die niemand spielen will. Erinnert sei an Nokias «Ngage» – ein zu früher Versuch, den Handygamemarkt zu dominieren. Oder Stichwort Bewegungssteuerung: Nach einem anfänglichen Hype sind Playstation Move, die Eye-Toy-Kamera und Microsofts Kinect weitgehend abgeschriebene, da für Gamer unnütze Technologien. Zwar soll Microsoft Kinect laut einschlägigen Medien noch einmal wiederzubeleben versuchen; Engländer nennen dies «flogging a dead horse» – ein totes Pferd peitschen. Ebenfalls auf die Liste der Totgeburten gehört 3-D-Gaming.

Heiß gehandelt: Virtual Reality

Was bringt die Zukunft? Heiss gehandelt werden derzeit Virtual-Reality-Brillen wie Oculus Rift. So faszinierend die 3-D-Welten sind, die sie erzeugen – im Gamingbereich werden sie wohl eine Randerscheinung bleiben: Sich jedes Mal ein Extragerät fürs Spielen überzustülpen, widerspricht dem Charakter des Spielens – der Leichtigkeit, Zugänglichkeit und schnellen Verfügbarkeit. Spiel starten, Spaß haben – ohne Brimborium. In der Veranschaulichung von dreidimensionalen Designs, in der Architektur oder im Lernbereich dürften der VR-Technologie hingegen große Zeiten bevorstehen.

Kurz: Die Technologiebranche ist stets auf der Suche nach der neusten Killerapp, dem Killergerät und dem nächsten Großerfolg. Obox und ähnliche Errungenschaften werden es aber kaum sein.

(L'essentiel/Jan Graber)

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