Besorgte Eltern – Gefährliches Lernen auf der Baustelle
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Besorgte ElternGefährliches Lernen auf der Baustelle

HESPERINGEN - Bagger auf dem Schulhof und Laster auf dem Schulweg: Seit Juni ist die Grundschule in Alzingen eine Baustelle. Für viele Eltern ist das nicht tragbar.

Seit gut fünf Monaten sind Baustellenfahrzeuge rund um die Grundschule in Alzingen Alltag. Für gut zwei Millionen Euro wird die Schule von 900 m2 auf 1800 m2 ausgebaut, bekommt eine Kantine, eine «Maison relais» sowie Vorschulklassen.

Über eine Eisenbrücke kommen die Kinder nun in die Schule hinein. Bei Regen wird diese glitschig. «Und wenn es dann friert, dann könnte ein Kind leicht auf den Kopf fallen», meint Lucie, Mutter einer Vierjährigen. Der unsichere Schuleingang, LKWs auf dem Zuweg, verrostete Nägel und eine kaputte Heizung - viele Eltern machen sich Sorgen über die Zustände in der Grundschule.

«Sicherheit wurde überprüft»

«Am Montagmorgen kam ich mit meinem Sohn an, als ein LKW den Rückwärtsgang einlegt und auf uns zufuhr. Ich habe ihn auf eine Mauer gehoben und mich schützend vor ihn gestellt», berichtet Fabienne. Lucie zeigt ein Foto auf ihrem Handy: «Gestern wurde eine Laterne bewegt. Der Krahn hat sie direkt über unsere Köpfe gehoben.»

Die Sorgen teilen nicht alle Beteiligten: «Die Sicherheit auf der Baustelle ist von Luxcontrol überprüft und von der Generalinspektion genehmigt worden. Die Arbeiten werden von kompetenten Ingenieuren begleitet», versichert Bürgermeister Marc Lies. Für den Politiker stellen die Bauarbeiten, die erst nach den kommenden Sommerferien abgeschlossen sein sollen, keine große Gefahr dar.

Ausweichmöglichkeiten gibt es nicht

Trotz der «Betreten verboten»- Schilder rund um die Baustellenabgrenzung ist es keine große Schwierigkeit auf den Schulhof zu gelangen und sich inmitten von Maschinen und Bauschutt aufzuhalten. «Es kann allerdings nicht angehen, dass die Baustellenfahrzeuge den gleichen Weg nutzen wie Kinder und ihre Eltern. Das müssen wir ändern», erklärt der Bürgermeister.

Die 27 Schüler lernen in zwei großen Klassenräumen. «Wir arbeiten normal an unserem Programm weiter. Nur auf den Schulhof können wir nicht, dafür geht es ins Schwimmbad oder zum Sport», meint Lehrerin Frau Schley. «Zu Anfang klagten einige Kinder über Kopfweh wegen des Krachs und in der vergangenen Woche habe ich meinen Sohn nicht zur Schule gehen lassen, weil die Heizung zwei Tage lang nicht funktionierte», erklärt Anna, eine weitere Mutter. Auch das war dem Bürgermeister nicht bekannt.

Warum wurden ihre Kinder nicht einfach in anderen Schulen untergebracht, fragen sich Anna, Lucie und Fabienne. «Alle Schulen sind voll», wehrt Bürgermeister Marc Lies ab. Eltern und Kinder werden sich also mit der Baustelle arrangieren müssen.

(Nastassia Solovjovas/L'essentiel Online)

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