Zootiere in Gaza – Gefangen im Krieg

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Zootiere in GazaGefangen im Krieg

Krankheiten, Hunger und Tod: Das Elend im Gazastreifen betrifft auch Tiere. Im Zoo im Norden von Gaza verenden die vergessenen ehemaligen Wildtiere elend.

Die majestätischen Löwen liegen entkräftet im kleinen Käfig, nebenan findet man die Überreste von toten Äffchen auf dem Boden. Es sind nicht die einzigen Kadaver: Ein apathischer Pavian teilt sich sein Gehege mit einem toten Artgenossen. Unweit verrottet ein kleines Krokodil im ausgetrockneten Tümpel. Auch ein toter Storch zerfällt langsam in der sengenden Sonne. Der Zoo im Norden Gazas, Teil des Vergnügungsparks al-Bisan, bietet ein elendes Bild.

Was 2008 von der radikalen Hamas als Ablenkung für Gazas Kinder gebaut wurde, ist heute lediglich ein Trümmerfeld und eine Ansammlung verstörter oder toter Tiere. Wie etliche unschuldige Zivilisten ist auch der Zoo zwischen die Fronten der israelischen Armee und der radikalislamischen Hamas geraten.

Explosionen töteten Tiere

Die überlebenden Tiere werden nicht nur von Hunger, Durst und Krankheiten geplagt, auch die aktuelle Kriegssituation hinterlässt ihre Spuren. Der ständige Lärm der Raketenangriffe, Luftschläge und anderer Militäraktionen traumatisiert die Tiere stark. Wie unzählige andere Orte im Gazastreifen wurde der Zoo auch unter schweren Beschuss genommen. Tiere wurden getötet und durch die Luft geschleudert, ganze Anlagen zerstört. Beim Löwengehege ist das Dach eingestürzt, Palmen wurden von Explosionen entwurzelt, wie das Nachrichtenportal NTV schreibt.

«Acht bis zehn Affen sind tot», sagt Zootierarzt Abu Sameer gegenüber dem TV-Sender CNN. Er führt die Liste weiter: Auch ein Pfau, eine Gazelle, ein Fuchs und ein Löwe seien dem Krieg zum Opfer gefallen. Die Situation sei alarmierend: «Wir können die Gehege nicht putzen, weil wir die Tiere nicht rauslassen können», so Sameer. Viele der Zoobewohner würden nun im Dreck krank werden, weil sie so schwach seien. Am schlimmsten sei die Situation für die Löwen. Dem Zoo fehlt das Geld, um die Überlebenden richtig zu ernähren. Die Situation ist selbst für die krisenerprobten CNN-Journalisten zu viel: Kurzerhand kaufen sie auf dem Markt sechs Hühner, um die Löwen zu füttern.

Neben Nahrung und Medizin fehlt es auch an Infrastruktur: «Der ganze Zoo ist hinüber», sagt Zoowärter Farid al-Hissi zum AFP-Journalisten Tom Littler. Früher sei das hier ein Vergnügungspark gewesen: «Vor dem Krieg war es wunderbar. Palmen säumten die Wege, es war sehr grün. Alles war für Kinder gedacht mit Spielgeräten und Erholungsplätzen für die Familien.»

Raketenwerfer auf dem Gelände

Der Zoodirektor Schadi Hamad kann nicht verstehen, warum der Vergnügungspark zerstört wurde. Am Rand der Anlage liegen jedoch, gut versteckt zwischen den Trümmern eines von israelischen Bomben zerstörten Gebäudes, mehrere Raketenwerfer. In einigen steckt gar noch ein Geschoss. Der Zoodirektor dementiert: «Es mag sein, dass es eine militärische Basis in der Nachbarschaft von al-Bisan gab. Aber der Feind hat offenbar entschieden, das ganze Ausflugsdorf zu bestrafen.» Vom Park selber seien niemals Raketen abgeschossen worden.

Ob Kämpfer der radikalislamischen Hamas nun Raketen vom Gelände des Vergnügungsparks Richtung Israel geschossen haben, spielt für die Tiere keine Rolle. Wie dieser von Menschen geschaffene Konflikt auch ausgeht, die überlebenden Löwen, Affen, Wildhunde und anderen Zoobewohner sehen einer düsteren Zukunft entgegen. Entweder verenden sie qualvoll an Futtermangel und Krankheiten oder sie verbringen eine lange Zeit in einer nicht artgerechten Umgebung.

(L'essentiel/cho)

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