Delta-Virenlast – Geimpfte tragen das Virus weniger lang in sich
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Delta-VirenlastGeimpfte tragen das Virus weniger lang in sich

Laut einem Bericht tragen Geimpfte bei einer Ansteckung mit der Delta-Variante genauso viele Viren in sich wie Ungeimpfte. Das tönt erschreckend, ist aber nur die halbe Wahrheit.

Ein Bericht der US-Gesundheitsbehörde CDC hat weltweit für Aufregung gesorgt. In diesem bestätigen die Autorinnen und Autoren Meldungen aus China, wonach die Viruslast bei einer Infektion mit der Delta-Mutante von Sars-CoV-2 mehr als 1000 Mal höher als bei früheren Varianten sein kann. Delta sei «übertragbarer als die Viren, die Mers, Sars, Ebola, die gewöhnliche Erkältung, die saisonale Grippe und die Pocken verursachen» und «so ansteckend wie Windpocken», zitiert die New York Times aus dem Dokument. Weiter soll es in dem Bericht heißen: Geimpfte Personen, die sich trotz Impfung mit Sars-CoV-2 infizieren und an Covid-19 erkranken, tragen genauso viele Viren in sich wie Ungeimpfte.

Das Problem an den weltweiten Meldungen: Der Originalbericht, auf den sie sich beziehen, war nie für die Öffentlichkeit bestimmt. «Entsprechend fehlen Nuancierungen», erklärt die österreichische Forscherin und Wissenschaftskommunikatorin Sylvia Kerschbaum-Gruber auf ihrem Instagram-Kanal. Das könne zu Fehlinterpretationen führen: «Heraus kommen Schlagzeilen, die falsch sind und für viel Verunsicherung sorgen.»

Geimpfte sind kürzer ansteckend

Tatsächlich zeigen die Angaben der CDC, dass sich die Ct-Werte (siehe Box) von geimpften Infizierten kaum von den Ct-Werten von nur teilweise oder gar nicht geimpften Personen unterscheiden. Allerdings handele es sich dabei um eine Momentaufnahme, so Kerschbaum-Gruber. «Die Breakthrough-Fälle [Impfdurchbrüche] mögen zu diesem Zeitpunkt zwar ähnlich hohe Virenlasten aufweisen wie nicht oder nur teilweise Geimpfte. Aber wenn der Zeitraum, in dem Geimpfte solche Virenlasten aufweisen, kürzer ist, dann ist der geimpfte Infizierte im Mittel weniger ansteckend als eine nicht geimpfte oder nur teilweise geimpfte Person.»

Dass der Zeitraum, in dem gegen Covid-19 Geimpfte, die sich dennoch mit Delta infiziert haben, ansteckend sind, tatsächlich kürzer ist, zeigt eine vorläufige Studie von Forschenden um Po Ying Chia vom Nationalen Zentrum für Infektionskrankheiten in Singapur, die auf dem Preprint-Server Medrxiv.org veröffentlicht ist. In ihr kommen die Autorinnen und Autoren zu dem Schluss, dass infizierte Geimpfte das Virus schneller bekämpfen und dadurch kürzer ansteckend sind als ungeimpfte oder nur teilweise geimpfte Personen. Dies «weil die Geimpften viel schneller neutralisierende Antikörper haben, die das Virus effektiv bekämpfen», wie Carsten Watzl, Professor für Immunologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie auf Twitter schreibt.

Das zeigt, dass die Covid-19-Impfungen auch angesichts der Delta-Variante nicht nur dem Selbst-, sondern auch dem Fremdschutz dienen. «Die Impfung bleibt eine Schlüsselstrategie zur Kontrolle der Covid-19-Pandemie», so die Forschenden aus Singapur.

(L'essentiel/Fee Anabelle Riebeling)

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