Internationale Proteste: Geistig Behinderter in Singapur hingerichtet
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Internationale ProtesteGeistig Behinderter in Singapur hingerichtet

Nach zwei Jahren Pause hatte Singapur Exekutionen wieder aufgenommen. Nun wurde der 34-jährige Nagaenthran K. Dharmalingam gehängt.

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Ein Aktivist zeigt ein Bild des nun hingerichteten Nagaenthran K. Dharmalingam. (3. November 2021)

Ein Aktivist zeigt ein Bild des nun hingerichteten Nagaenthran K. Dharmalingam. (3. November 2021)

AFP/Mohd Rasfan
Die Familie sei «extrem traurig» und «in einem Schockzustand»: Panchalai Supermaniam (Mitte), Mutter des gehängten 34-Jährigen.

Die Familie sei «extrem traurig» und «in einem Schockzustand»: Panchalai Supermaniam (Mitte), Mutter des gehängten 34-Jährigen.

AFP/Roslan Rahman
Unterstützer sagen, Dharmalingam habe einen Intelligenzquotienten von 69 – ein Wert, der als geistige Behinderung anerkannt wird – und sei zur Begehung der Straftat gezwungen worden.

Unterstützer sagen, Dharmalingam habe einen Intelligenzquotienten von 69 – ein Wert, der als geistige Behinderung anerkannt wird – und sei zur Begehung der Straftat gezwungen worden.

AFP/Arif Kartono

Ein geistig Behinderter ist trotz internationaler Proteste nach Angaben seiner Familie in Singapur hingerichtet worden. Nagaenthran K. Dharmalingam wurde am Mittwoch in den frühen Morgenstunden hingerichtet, sagte seine Schwester Sarmila Dharmalingam der Nachrichtenagentur AFP. «Es ist unglaublich, dass Singapur trotz internationaler Appelle, sein Leben zu verschonen, mit der Hinrichtung fortfuhr», sagte sie von Malaysia aus. Die Familie sei «extrem traurig» und «in einem Schockzustand».

Zuvor hatte am Dienstag ein Gericht nach mehreren Einsprüchen die geplante Hinrichtung des 34-Jährigen endgültig bestätigt. Der Malaysier war 2009 als 21-Jähriger festgenommen worden, als er mit einer Menge von 43 Gramm Heroin nach Singapur einreiste. Unterstützer sagen, er habe einen Intelligenzquotienten von 69 – ein Wert, der als geistige Behinderung anerkannt wird – und sei zur Begehung der Straftat gezwungen worden. 

«Verstoss gegen internationale Gesetze»

Reprieve, eine Menschenrechtsorganisation, die sich gegen die Todesstrafe einsetzt, erklärte, Nagaenthran sei «das Opfer eines tragischen Justizirrtums». Die Direktorin der Gruppe, Maya Foa, erklärte: «Einen geistig behinderten und psychisch kranken Mann zu hängen, ist nicht zu rechtfertigen und stellt einen eklatanten Verstoß gegen internationale Gesetze dar, die Singapur unterzeichnet hat.»

Die Hinrichtung, die ursprünglich schon für November vorgesehen war, hatte zahlreiche Proteste hervorgerufen, unter anderem von der Europäischen Union. Im März hatte Singapur Exekutionen nach zwei Jahren Pause wieder aufgenommen. Damals hatten die Justizbehörden einen Drogenhändler gehängt. 

(L'essentiel/afp/chk)

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