Tunesien – Gemüsestand des Selbstmörders ist begehrt

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TunesienGemüsestand des Selbstmörders ist begehrt

Ein Gemüsehändler hatte sich selbst angezündet und damit die Protestwelle in Tunesien losgelöst. Seinen verkohlten Gemüsestand wollen jetzt viele Tunesier kaufen.

Für den Erwerb des Gemüsestands des 26- jährigen Tunesiers, der sich aus Protest gegen soziale Missstände in seinem Land selbst angezündet hatte und so zum Held der tunesischen Revolution wurde, haben potenzielle Käufer bis zu 10 000 Euro geboten.

«Ich habe ein Angebot aus Saudi-Arabien und eines aus dem Jemen bekommen», sagte der Bruder des verstorbenen Mohammed Bouazizi am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP und fügte hinzu, den Stand jedoch niemals verkaufen zu wollen. «Er ist eine Erinnerung an meinen Bruder, vielleicht wird er eines Tages zum Denkmal», sagte Salem Bouazizi.

Wegen Polizeikontrolle angezündet

Der Stand, der von dem Feuer, das seinen Bruder tötete, noch immer verkohlt ist, sei in einer Garage nahe des Hauses der Familie untergebracht. Der arbeitslose Akademiker, Mohammed Bouazizi, hatte sein Geld als fliegender Händler mit dem Verkauf von Obst und Gemüse verdient und sich offenbar wegen einer Kontrolle seines Verkaufsstands durch die Polizei selbst angezündet.

Anfang Januar erlag Bouazizi seinen Verletzungen. Die Aktion am 17. Dezember 2010 in der zentraltunesischen Stadt Sidi Bouzid löste die wochenlangen Proteste junger Menschen in Tunesien aus. Regimekritikern in der arabischen Welt gilt Bouazizi als Held. Neben Tunesien kam es zu weiteren derartigen Selbstmordversuchen in Algerien und Ägypten.

Dreitägige Staatstrauer für Opfer der Proteste

Heute Freitag beginnt eine dreitägige Staatstrauer für die Opfer, die bei den Protesten gegen Präsident Zine al-Abidine Ben Ali getötet wurden. Mindestens 78 Menschen kamen seit Beginn der Proteste ums Leben. Am Montag sollen dann Schulen und Hochschulen, die seit vergangener Woche geschlossen sind, wieder geöffnet werden.

Am Donnerstag hatten mehrere Minister der tunesischen Übergangsregierung die Zulassung aller politischen Organisationen und eine Amnestie für politische Häftlinge verkündet. Derweil erodierte die Machtbasis der langjährigen Regierungspartei RCD immer schneller. Das Zentralkomitee der RCD wurde aufgelöst, ihre Kabinettsmitglieder gaben das Parteibuch zurück.

(L'essentiel online/20Minuten)

Zentralbank fehlen 1,5 Tonnen Gold

Der tunesischen Zentralbank fehlen 1,5 Tonnen Gold. Im Dezember besaß die Bank dem Weltgoldrat zufolge noch 6,8 Tonnen Gold - ein Wert, der in den vergangenen zehn Jahren unverändert geblieben ist.

Dies stimmt mit Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) überein. Nach Angaben der Bank von dieser Woche sind es derzeit nur noch 5,3 Tonnen Gold. Die Bank wies jedoch Berichte zurück, nach denen die Familie des tunesischen Ex-Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali das Gold vor ihrer Flucht aus dem Land gestohlen habe.

Französischen Medienberichten zufolge soll Ben Alis Frau Leila Trabelsi, sich bei der Notenbank vor ihrer Abreise das Gold im Wert von 45 Millionen Euro beschafft zu haben.

Demnach hatte der Gouverneur der Zentralbank die Anfrage der Präsidenten-Frau zunächst abgelehnt, stimmte unter dem Druck Ben Alis dann aber doch zu. Nach wochenlangen sozialen Unruhen war Ben Ali vergangene Woche ins Exil nach Saudi-Arabien geflohen.

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