Luxemburg: Gericht arbeitet mutmaßlichen Mord der verschwundenen Bianka auf

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LuxemburgGericht arbeitet mutmaßlichen Mord der verschwundenen Bianka auf

LUXEMBURG – Sarah B. steht wegen Mordes an ihrer wenigen Tage alten Tochter Bianka vor Gericht. Zeugen offenbaren schwierige Familienverhältnisse und sichtbaren Handlungsbedarf.

20150721 zone Linger-Bomicht, rue de la chiers, recherche d'une petite fille âgée d’à peine un mois, la petite Bianka Bisdorff, née le 6 juin dernier et disparue le vendredi 3 juillet 2015, au nord de Pétange, à la frontière belge, pompage en cours de l'étang, le périmètre situé autour de l'étang est totalement bouclé, (© Editpress/Didier Sylvestre), DS3

Im Weiher in Linger war nach dem Säugling gesucht worden.

Editpress (Archiv)

Am 6. Juni 2015 kam die kleine Bianka zur Welt, neun Tage später wurde sie mit ihrer Mutter am Weiher in Linger das letzte Mal gesehen: Seit vergangener Woche läuft der Prozess gegen die Mutter des verschwundenen Säuglings. Eine Leiche konnte während der Ermittlungen nie gefunden werden, was wirklich mit ihrer Tochter passiert ist, dazu schweigt Sarah B. seither hartnäckig. Am Dienstag und Mittwoch sind mehrere Zeugen befragt worden.

Biankas Großmutter hat am Mittwoch ausgesagt, das Mädchen nie gesehen zu haben, wie das Luxemburger Wort nach dem Gerichtstermin berichtete. Auffällig sei das nicht gewesen, denn auch zu ihrer angeklagten Tochter habe sie nur sporadisch Kontakt gehabt, teils sogar über Jahre überhaupt keinen. So soll sie erst spät erfahren haben, dass sie insgesamt fünf Enkel habe, und diese in einem Heim untergebracht wurden.

Besorgnis bei Bekannten

Seit Sarah B. mit 18 Jahren ausgezogen sei, habe diese sich hauptsächlich gemeldet, um nach Geld zu fragen. Am 17. Juni 2015 – zwei Tage nachdem die erst neun Tage alte Bianka das letzte Mal mit ihrer Mutter am Weiher in Linger gesehen worden war – habe sie sich mit einer SMS mit den Worten «Ech brauch dech ganz dringend» gemeldet. Tatsächlich gebraucht habe sie beim folgenden Besuch dann aber nichts.

Andere Zeuginnen schilderten dem LW-Bericht zufolge am Mittwoch, dass Sarah B. sich offensichtlich nicht gut um ihr Kind gekümmert habe. Noch in der Schwangerschaft soll sie Cannabis geraucht haben, den Säugling nach der Geburt mit Kuhmilch gefüttert haben. Eine Bekannte der Angeklagten berichtete von blauen Lippen bei Bianka. Aus Sorge um das Kind habe diese sich an ihre Sozialarbeiterin gewandt, die demnach den Service central d'assistance sociale (SCAS) imformiert hat. Am 3. Juli sollten Polizeibeamten auf gerichtliche Anordnung das Kind abholen, um es in Fürsorge unterzubringen. Die Platzierungsmaßnahme hatte der SCAS am 18. Juni beim Jugendgericht angefragt, am 26. Juni wurde sie angeordnet.

SCAS-Empfehlung zunächst nicht angeordnet

Auch seitens des Krankenhauses bestand wohl Kontakt mit dem SCAS. Wie das LW nach dem Gerichtstermin am Vortag berichtete, sagte eine Hebamme am Dienstag aus, nach einer Kontrolle – drei Tage nach der Geburt – eine Sozialarbeiterin des Krankenhauses eingeschaltet zu haben. Ihr sei das Verhalten von Sarah B. auffällig erschienen. «Es war nicht so, wie wir es eigentlich bei Eltern gewohnt sind», wird sie zitiert. Auf Ratschläge habe die Angeklagte damals aggressiv reagiert. Die Sozialarbeiterin gab vor Gericht an, mit dem SCAS in Verbindung gestanden zu haben. Wegen der sozialen Situation der Mutter und weil schon fünf Kinder nicht mehr bei ihr lebten, sei man in der Klinik aufmerksam gewesen. Da Sarah B. jedoch sonntags entlassen worden, und der Sozialdienst des Centre hospitalier Emile Mayrisch am Wochenende nicht besetzt ist, habe dieser nicht einschreiten können.

Bereits zuvor hatte der SCAS Bianka, die angeklagte Mutter und deren Situation auf dem Schirm. Ebenfalls am Dienstag sagte ein Betreuer aus, schon im April vor der Geburt eine intensive Betreuung befürwortet zu haben. Das Jugendgericht habe Maßnahmen wie die halbtägige Unterbringung des Kindes in einer Crèche zur zusätzlichen Beobachtung und die Begleitung der Familie durch einen Coordinateur de projet d'intervention (CPI) aber nicht angeordnet. Der Betreuer habe die Situation zunächst weiter beobachten und in einem Bericht festhalten sollen. Nachdem weitere Infos beim SCAS landeten, habe er eine Empfehlung für die Platzierungsmaßnahme an das Jugendgericht weitergeleitet, die daraufhin umgesetzt werden sollte. Da war Bianka schon rund zwei Wochen verschwunden.

(mei)

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