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Coronavirus in LuxemburgGesundheitssystem geht in den Krisenmodus über

LUXEMBURG – Die Ärzte und Pflegekräfte des Großherzogtums stellen sich neu auf. Der Präsident der Ärztevereinigung erklärte, dass das System auf «Krisenmedizin» umgestellt wurde.

Das luxemburgische Gesundheitssystem funktioniert bis dato wunschgemäß. Das erklärte Gesundheitsministerin Paulette Lenert am Montagnachmittag auf einer Pressekonferenz. Allerdings werde das System an einigen Punkten angepasst, um auf die kommenden Herausforderungen bestmöglich vorbereitet zu sein.

Zunächst gab Lenert ein numerisches Update zu den Covid-19-Fällen im Land: Bis zum Montag wurden in Luxemburg 1988 Erkrankungen nachgewiesen. Das sind 38 Fälle mehr als am Sonntag. Zwei weitere Menschen sind an den Folgen der Lungenkrankheit gestorben. Insgesamt haben damit 22 Menschen in Luxemburg die Ansteckung mit dem Coronavirus nicht überlebt. 80 Patienten haben sich von der Krankheit erholt und konnten das Krankenhaus wieder verlassen. 16.200 Personen wurden bisher auf das Virus getestet.

Arbeitsverbot bei Corona-Verdacht

Lenert betonte im Anschluss, dass Hausärzte fortan generell nur noch per Telefon kontaktiert werden sollten. In dringenden Fällen könnten die Mediziner weiterhin Hausbesuche durchführen. Wer an Atemwegsbeschwerden leidet, soll eines der vier Versorgungszentren des Landes aufsuchen. Augenärzte und Zahnärzte richten einen Bereitschaftsdienst ein. «In Anbetracht der Krise ist es nicht möglich, dass die Patienten immer von ihrem Stammarzt behandelt werden», sagte die Ministerin.

Beschäftigte, die in einem Alten- oder Pflegeheim sowie in der häuslichen Pflege arbeiten, dürfen bei einem Verdacht auf Covid-19 nicht mehr arbeiten, sagte Lenert. Bislang gab es diesbezüglich lediglich eine Empfehlung, nun ist es verboten. Im Falle eines positiven Tests, müssen diese Angestellten das Ergebnis ab sofort ihrem Arbeitgeber mitteilen. Die Bewegungseinschränkungen könnten weiterhin nicht gelockert werden, so die Gesundheitsministerin: «Es ist wichtig weiterhin an einem Strang zu ziehen und die Disziplin aufrecht zu erhalten.»

Fokus liegt nun auf Covid-19-Patienten

Dr. Alain Schmit, Präsident der Ärztevereinigung AMMD, erklärte im Anschluss, dass das Gesundheitssystem nun auf den Krisenfall umgestellt worden sei. Das bedeutet, dass sich die Ärzte in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium neu organisieren müssen. Das betrifft auch die Krankenhäuser und Pflegeheime.

Das Coronavirus in LuxemburgInfogram

Derzeit liege der Fokus des Gesundheitssystems auf der Versorgung der Covid-19-Patienten. Allerdings können sich laut Schmit auch andere Patienten weiterhin auf das System verlassen. «Als Ärzteschaft übernehmen wir Verantwortung und stellen uns zum Wohl der Patienten neu auf. Es werden auch Ärzte aus der nationalen Reserve eingesetzt», sagte Schmit. «Wir sind derzeit so aufgestellt, dass die Krankenhäuser sowohl die vielen Covid-19-Erkrankten, als auch alle anderen Notfälle behandeln können», ergänzte Lenert. SChmit rief alle Menschen, die Gesundheitsprobleme haben und nicht an Covid-19 erkrankt sind, weiterhin zum Arzt zu gehen: «Es gibt keinen Grund, aus Angst vor dem Virus nicht zum Arzt zu gehen.»

Wer im Gesundheitssystem arbeitet, derzeit seinen Beruf jedoch nicht ausübt, kann nun beim Staat angestellt werden. Lenert nannte Ergotherapeuten als Beispiel.

(L'essentiel)

Corona-Todesfälle in Luxemburg

Von den 22 Todesopfern sind nach Angaben der Gesundheitsministerin elf in einem Krankenhaus gestorben. Zehn weitere in einem Alten- oder Pflegeheim. Ein Patient starb bei sich zu Hause.

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