Luxemburg – Getreidebauern ernten diesmal keine Lorbeeren

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LuxemburgGetreidebauern ernten diesmal keine Lorbeeren

LUXEMBURG - Luxemburgs Ackerbauer fahren dieses Jahr eine gute Ernte ein. Doch die Preise auf dem Getreidemarkt setzen den Landwirten zu.

Landwirtschaftsminister Etgen machte sich am Dienstag ein persönliches Bild von der Situation bei den Getreidebauern.

Landwirtschaftsminister Etgen machte sich am Dienstag ein persönliches Bild von der Situation bei den Getreidebauern.

L'essentiel

Über die diesjährige Ernte können Luxemburgs Getreidebauern nicht klagen. Die Kooperative Versis sprach am Dienstag sogar von einem ziemlich guten Ertrag. «Alles war trocken, dadurch fielen keine zusätzlichen Kosten für uns an», stellt Serge Turmes, Geschäftsführer des Getreidehändlers und Tochterbetriebs der Gruppe de Verband fest. «70 Prozent der Einkäufe wurden von luxemburgischen Produzenten getätigt, der Rest von französischen, deutschen und, in geringerem Maße, belgischen Bauern.»

In punkto Ergiebigkeit ernteten die Landwirte der Genossenschaft sieben Tonnen Weizen, acht Tonnen Gerste, sieben Tonnen Titricale, 6,5 Tonnen Roggen und 6,4 Tonnen Winterhafer. Die Mengen bewegen sich im üblichen Durchschnitt. Nur der Raps litt unter Dürre – von der Nutzpflanze brachten die Landwirte dieses Jahr nur 3,7 statt der üblichen vier Tonnen in die Scheunen. Dafür kann sich die Qualität des Rapses, der häufig für die Herstellung von Speiseölen verwendet wird, sehen lassen.

Verzockt

Auf dem Wiederverkaufsmarkt hat sich die Lage als kompliziert erwiesen. Die Getreidepreise schwanken einmal stark nach oben, dann wieder stark nach unten. Im Januar 2015 lag der Preis für zehn Kilo Weizen noch im Schnitt bei 16,5 Euro, im Mai nur noch bei 13,5 Euro. Im Juli ging es wieder auf 17 Euro aufwärts, bevor Ende August wieder nur 13 Euro zu Buche standen. «Es gibt viel Spekulation, etwa ein Drittel des Preises wird dadurch bestimmt», sagt Serge Turmes. Weitere Probleme stellen die schwächere Konjunktur in China und das russische Embargo für EU-Landwirtschaftsprodukte dar. Auf dem Weltmarkt wird derzeit sehr viel produziert, was die Talfahrt der Preise weiter beschleunigt.

Jene Landwirte, die ihre Ernte frühzeitig in diesem Jahr verkauft haben, konnten ihre Produktionskosten mehr als decken. Diejenigen, die erst später ihre Bestände leerten, müssen nun aber Verluste verkraften. Normalerweise ist das Gegenteil der Fall. Ergebnis: «Die Einkünfte der Bauern sind katastrophal. Nur die wenigsten haben zum richtigen Zeitpunkt verkauft», bedauert Turmes. Versis erzielte in diesem Jahr einen stabilen Umsatz von 90 Millionen Euro. «Es gibt nur mehr wenige Lagervorräte auf dem Weltmarkt, insofern sind wir optimistisch, dass die Preise wieder steigen werden», resümiert der Geschäftsführer.

(Mathieu Vacon/L'essentiel)

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