Online-Medizin – Google-Tool soll bei Hautkrebs-Diagnose helfen

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Online-MedizinGoogle-Tool soll bei Hautkrebs-Diagnose helfen

Muttermal oder bösartige Hautveränderung? Diese Frage soll ein neues Tool von Google noch dieses Jahr beantworten können. Ein Experte rät aber zur Vorsicht.

An der Google-Entwicklerkonferenz am Dienstag hat der Tech-Riese verschiedenste neue Technologien vorgestellt – unter anderem eine neue Plattform, die das Unternehmen «Dermatology assist tool» (Dermatologie-Hilfe-Tool) nennt. Dieses soll künftig bei der Diagnose und Erkennung verschiedenster Haut-Erkrankungen und Dermatologie-Problemen helfen.

In Europa hat das neue Google-Tool bereits die CE-Kennzeichnung für medizinisches Equipment erhalten, wie BBC berichtet. Tatsächlich soll es 288 verschiedene Hauterkrankungen erkennen. Das Unternehmen legt aber großen Wert darauf, festzuhalten, dass es sich dabei nicht um einen Ersatz des Hautarzt handle. Das Tool sei ausschließlich dazu gedacht, die Diagnose verschiedenster Hauterkrankungen zu unterstützen. Letztlich sei eine Diagnose von einem Dermatologen aber nach wie vor notwendig.

Künstliche Intelligenz im Tool

Für die Erkennung der verschiedenen dermatologischen Erkrankungen benutzt das Tool künstliche Intelligenz (KI) – ähnlich dies bereits zur Früherkennung von Brustkrebs geschieht. Diese wurde während drei Jahren mit rund 65.000 Bildern von diagnostizierten Erkrankungen bespielt, damit sie lernt, diese auch in neuen Fotos zu erkennen. Als Kontrast dazu wurde die KI auch mit tausenden von Bildern von gesunder Haut und Millionen von Fotos von Merkmalen, die bei Personen Besorgnis auslösten, gefüttert.

Um mögliche Erklärungen für Haut-Abnormalitäten zu erhalten, werden die Nutzerinnen und Nutzer mindestens drei Bilder in das Tool hochladen müssen. Außerdem müssen eine Reihe an Fragen rund um die mögliche Erkrankung und die medizinische Vorgeschichte der Person beantwortet werden.

Vorsicht walten lassen

Christian Greis, Oberarzt für Dermatologie an der Universitäts-Klinik Zürich und Gründer der Medizinplattform derma2go steht dem Projekt skeptisch gegenüber. «Mit bisherigen Technologien bin ich eher vorsichtig, was die Anwendung von KI in der Dermatologie angeht – wenn diese direkt von Patienten genutzt werden sollen.» Als sinnvoller erachtet es Greis, wenn Dermatologen selbst KI zur Unterstützung von Diagnosen zu Rate ziehen.

«Nützlich kann KI dann sein, wenn ein Arzt Bilder von Patientinnen und Patienten analysieren lässt und mögliche Erkrankungen ausgespielt bekommt, an die er selbst vielleicht nicht gedacht hätte. Der Dermatologe oder die Dermatologin kann dann fachgerecht abschätzen, welche Diagnosen in Frage kommen und welche nicht – das kann ein Patient oder eine Patientin nicht», so Greis.

Patientinnen und Patienten warten zu lange

Bisher sei Greis kein Tool bekannt, welches dermatologische Erkrankungen so exakt diagnostizieren kann, dass Patientinnen und Patienten davon profitieren könnten. «Natürlich wäre es schön, wenn eine Person, die sich unsicher ist, ob sie zum Arzt gehen sollte, durch ein solches Tool einen Anstoß zum Besuch beim Dermatologen erhält», erklärt Greis. Denn besonders in der Dermatologie gebe es viele Patientinnen und Patienten, die zu lange – zum Teil Monate oder sogar Jahre – warten, um einen Arzt aufzusuchen.

«Schlussendlich kommt es darauf an, wie sensitiv und spezifisch ein solches Tool ist – also wie viele kranke Personen tatsächlich als krank und wie viele Gesunde tatsächlich als gesund erkannt werden. Das wird sich erst noch zeigen müssen», so der Oberarzt.

Bessere Alternative zu Doktor Google

Laut Google ist das «Dermatology assist tool» immerhin eine bessere Alternative, als über die Google-Suche nach Antworten auf Gesundheitsfragen zu suchen. Denn solche Suchen können zwar in manchen Fällen Sorgen besänftigen, in anderen Fällen aber bereits bestehende Ängste verstärken oder dazu führen, dass sich Patientinnen und Patienten in falscher Sicherheit wiegen, wenn sie an die falschen Quellen geraten.

Noch ist das Tool nicht erhältlich, es soll aber bereits in diesem Jahr veröffentlicht werden. Weitere Ankündigungen von der Google IO sind hier zu finden.

(L'essentiel/Dominique Zeier)

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