Doel 4 und Tihange 3: Greenpeace Luxemburg stellt sich gegen AKW-Laufzeitverlängerung

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Doel 4 und Tihange 3Greenpeace Luxemburg stellt sich gegen AKW-Laufzeitverlängerung

LUXEMBURG/BELGIEN – Mängel bei den Sicherheitsstandards, Worst-Case-Szenarien ausgelassen: Greenpeace Luxemburg wirft den belgischen Behörden vor, in ihren Unterlagen unzulänglich über die geplanten Laufzeitverlängerungen zweier Reaktoren zu informieren.

Miriam Meinecke
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Miriam Meinecke
ARCHIV - 21.10.2015, Belgien, Huy: Das Atomkraftwerk Tihange. Belgien will den Atomausstieg um zehn Jahre verschieben. Foto: Oliver Berg/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung. +++ dpa-Bildfunk +++

Das Atomkraftwerk Tihange. Belgien will den Atomausstieg um zehn Jahre verschieben.

Oliver Berg/dpa

Belgien hat vor, die Laufzeiten der Atomreaktoren Doel 4 und Tihange 3 um zehn Jahre zu verlängern. Statt 2025, wenn beide die maximale Betriebslaufzeit von 40 Jahren erreichen, wäre dann erst 2035 Schluss. Greenpeace Luxemburg hatte deshalb bei zwei nach eigenen Angaben unabhängigen Expertinnen aus Deutschland und Österreich eine technische Analyse der Unterlagen aufgegeben, die die belgischen Behörden im Rahmen der öffentlichen Konsultation zur Laufzeitverlängerung veröffentlicht hat. Die Ergebnisse sind am Montag vorgestellt worden. «Die Untersuchung zeigt in mehreren Bereichen Lücken auf, sei es bei der Einleitung sowie dem Verfahren des Projekts, der Entsorgung von Atommüll, möglichen Alternativen oder den Gefahren durch Naturereignisse», erklärt Greenpeace in einer Pressemitteilung.

Das Sicherheitskonzept beider Reaktoren sei veraltet. «Insgesamt wird im Bericht unmissverständlich deutlich, dass Abstriche an den Sicherheitsanforderungen für die Laufzeitverlängerung gemacht werden sollen», so Greenpeace. Demnach werde bei älteren Anlagen ein anderer Sicherheitsmaßstab angelegt als bei neueren, was ein höheres Risiko bedeute. «Das wichtigste Sicherheitsziel für neue AKW ist der Ausschluss von Kernschmelzunfällen mit frühen und hohen Freisetzungen. Diese Sicherheitsanforderung wurde bisher für Doelv 4 und Tihange 3 nicht erfüllt», schreibt der Verband.

In den Behördenunterlagen werden potenzielle Unfälle aufgeführt, die Maßnahmen in Belgien, wie beispielsweise die Gabe von Kaliumiodidtabletten, nötig machen würden. Die schwerstmöglichen Unfälle seien aber ausgelassen worden, bemängelt Greenpeace. «Im Rahmen des Projekts flexRISK wurde beispielsweise für beide Reaktoren ein möglicher Unfall berechnet. Die Ergebnisse zeigen, dass weite Teile von Europa kontaminiert werden könnten». Demnach mit massiven Auswirkungen.

«Die eingereichten Unterlagen sind nicht vollständig», so das Fazit von Roger Spautz, Atomexperte bei Greenpeace Luxemburg, «die wichtigsten Risiken wurden ausgelassen.» Damit Bevölkerung und Politik ausreichend im Bilde seien, fehlt ihm in den behördlichen Unterlagen die Aufführung der Defizite im Vergleich zu den aktuellen Sicherheitsanforderungen sowie Informationen darüber, welche Nachrüstungen technisch möglich wären, aber aus wirtschaftlichen Gründen womöglich nicht erfolgen sollen. Angesichts der vom Umweltministerium durchgeführten Konsultation legt Greenpeace einen formellen Einspruch gegen die Laufzeitverlängerung ein.

Grenzüberschreitende Konsultation

Seit dem 30. März läuft in Luxemburg eine vom Ministerium für Umwelt, Klima und nachhaltige Entwicklung organisierte grenzüberschreitende, öffentliche Konsultation. Diese ist eine Pflichtvoraussetzung, damit das belgische Parlament ein Gesetz über die Laufzeitverlängerung beschließen kann. Alle in Luxemburg ansässigen Personen können sich bis zum 20. Juni zu dieser geplanten Laufzeitverlängerung äußern.

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