Steuern – Grenzgänger im Visier des belgischen Fiskus

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SteuernGrenzgänger im Visier des belgischen Fiskus

Hunderte belgischer Grenzgänger haben von ihren Finanzämtern Fragebögen zugestellt bekommen. Sie sollen nachweisen, dass sie Vollzeit in Luxemburg arbeiten.

Der belgische Fiskus fordert seine Landsleute per Brief auf, zu belegen, wieviel Zeit sie tatsächlich im Großherzogtum verbringen.

Der belgische Fiskus fordert seine Landsleute per Brief auf, zu belegen, wieviel Zeit sie tatsächlich im Großherzogtum verbringen.

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Briefe vom Finanzamt verheißen selten etwas Gutes. Diese Erfahrung machten in jüngerer Vergangenheit vor allem Belgier, die im Großherzogtum arbeiten. Der belgische Fiskus fordert sie mit Nachdruck auf, zu beweisen, dass sie Vollzeit in Luxemburg beschäftigt sind. Wenn die Antwort nicht überzeuge, würden sie gezwungen, einen Teil ihrer Steuerabgaben im Königreich zu entrichten.

«Es ist nicht das erste Mal, dass die belgischen Steuerbehörden von ihren Landsleuten verlangen, ihre Präsenz in Luxemburg zu belegen», berichtet Jacques Delacollette von der Arbeitnehmergewerkschaft OBGL. Laut Unterlagen, die L’essentiel vorliegen, geht der Fisukus diesmal aber noch zielgerichteter vor. Rund 1'200 Personen – also drei Prozent der Grenzgänger - sind betroffen.

Gezielte Aktionen

In manchen Bereichen sind noch mehr Menschen betroffen. Auf Anfrage von L’essentiel erklärt der belgische Abgeordnete und Fachmann Josy Arens: «Betroffen sind vor allem Belgier, die in Luxemburg arbeiten, aber weit von der Grenze entfernt leben.» Jacques Delacollette von OBGL ergänzt: «Auch jene, die auf beiden Seiten der Grenze einen Wohnsitz haben, stehen unter besonderer Beobachtung.»

Was ist zu tun, wenn man selbst einen solchen Fragebogen zugesendet bekommt? «Man muss ein handfestes Dossier abliefern», erklärt Delacollette. Dieses müsse zunächst einmal selbstverständlich den Arbeitsvertrag enthalte, am besten aber auch Arbeitszeugnisse, Belege für Fahrten, Verpflegung, oder sogar Zeugenaussagen von benachbarten Büros. Problem: Der belgische Fiskus kann solche Nachweise für die vergangenen fünf Jahre verlangen. «Wer bewahrt schon fünf Jahre lang Quittungen auf? Wir schaffen so eine fünfjährige Rechtsunsicherheit», beklagt Josy Arens.

In der Realität haben die Kontrollen aber selten Konsequenzen. Nach Angaben, die L’essentiel vorliegen, werden 85 Prozent der Fälle nicht weiter verfolgt. Bei 15 Prozent kommt es zu Nachzahlungen. In nur einem Fall sind es den Angaben nach über 15‘000 Euro gewesen.

(fre/pw/L'essentiel)

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