Börsen-Reaktionen – Griechen-Nein setzt Bankaktien unter Druck

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Börsen-ReaktionenGriechen-Nein setzt Bankaktien unter Druck

Die Börsen reagieren auf das «Oxi» aus Griechenland mit Abgaben. Zwei Großbanken sehen den Grexit nun als sehr wahrscheinlich an.

epa04827561 Supporters of the referendum NO vote wave their flag and burn an EU flag in Athens, Greece, 02 July 2015. Greek Prime Minister Tsipras remained steadfast in his controversial plan to hold a referendum on the bailout demands of creditors, as eurozone finance ministers discussed a request from Athens for new financial aid. During the televized address to the nation on 01 July 2015 Tsipras said that anyone equating a no-vote with a return to the drachma is 'telling lies,' and repeated his call for people to vote against the measures.  EPA/ARMANDO BABANI

epa04827561 Supporters of the referendum NO vote wave their flag and burn an EU flag in Athens, Greece, 02 July 2015. Greek Prime Minister Tsipras remained steadfast in his controversial plan to hold a referendum on the bailout demands of creditors, as eurozone finance ministers discussed a request from Athens for new financial aid. During the televized address to the nation on 01 July 2015 Tsipras said that anyone equating a no-vote with a return to the drachma is 'telling lies,' and repeated his call for people to vote against the measures. EPA/ARMANDO BABANI

Keystone/Armando Babani

Das überraschend klare «Nein» (Oxi) der griechischen Bevölkerung zu den Sparauflagen der internationalen Gläubiger setzt den Aktien europäischer Banken zu. Der entsprechende Index sackte am Montag um bis zu 3,2 Prozent ab.

Vor allem Papiere südeuropäischer Institute wie der italienischen Banco Popolare, der spanischen Banco de Sabadell oder der portugiesischen BCP fielen bei den Anlegern in Ungnade. Ihre Aktien verloren bis 14 Uhr um bis zu fünf Prozent. Die Titel der deutschen Geldhäuser Commerzbank und Deutsche Bank notierten zum selben Zeitpunkt mit 3,5 respektive 3,2 Prozent im Minus.

Weniger schwer traf es die beiden Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse, deren Scheine bis 14 Uhr 1,7 respektive 2,1 Prozent verloren.

Die Athener Börse blieb bis auf weiteres geschlossen. Die in den USA kotierten Titel der National Bank of Greece stürzten jedoch vorbörslich um 15 Prozent ab. Ähnlich erging es einem börsennotierten Fonds (ETF) auf griechische Aktien, der im US-Geschäft um gut elf Prozent tiefer erwartet wurde.

Anleger bleiben relativ cool

Während die Bankaktien unter die Räder kamen, erholten sich der Swiss Market Index (SMI), der deutsche Leitindex DAX sowie der Index der 50 größten Unternehmen der Eurozone (Eurostoxx 50) im Handelsverlauf wieder etwas. Der SMI notierte um 14 Uhr mit 0,7 Prozent im Minus. Der DAX verlor 1,5 Prozent und der EuroStoxx 50 2,0 Prozent.

Damit fiel die Marktreaktion insgesamt weniger heftig aus als nach der überraschenden Ankündigung des Referendums in Griechenland vor gut einer Woche. Die Verluste könnten sich allerdings wieder verstärken, sollte die Europäische Zentralbank (EZB) die Notfall-Kredite für die griechischen Banken nicht ausweiten. Entsprechende Beratungen stehen für Montagnachmittag auf dem Programm.

Die vier größten griechischen Banken blieben auch am Montag wie bereits in der vergangenen Woche geschlossen. Damit soll vermieden werden, dass die Griechen ihre Konten komplett leer räumen und die Banken dadurch in die Pleite trudeln.

JP Morgan und Barclays rechnen mit Grexit

Die US-Großbank JP Morgan passte ihren Ausblick nach der Abstimmung in Griechenland bereits gestern Abend an: Sie geht in ihrem Basisszenario nun vom Grexit aus.

Die britische Bank Barclays sieht es ähnlich. Um den Grexit zu verhindern, gäbe es zwei Möglichkeiten, die aber weniger wahrscheinlich seien als der Austritt Athens aus der Währungsunion: Die EU und Griechenland könnten sich auf den Vorschlag des IWF einigen. Dieser sieht ein 20-jähriges Moratorium auf Schuldentilgung und eine darauf folgende Abzahlung der Schulden über 40 Jahre vor.

Oder die wirtschaftliche und soziale Lage Griechenlands würde sich rasch verschlechtern, Neuwahlen würden eine Regierung an die Macht bringen, die eher einer Einigung zugeneigt wäre.

Zinsen für südeuropäische Bonds steigen

Als Reaktion auf die griechische Absage an weitere Sparanstrengungen ist es für mehrere südeuropäische Länder teurer geworden, sich mit frischem Geld zu versorgen. Die Zinsen für spanische, italienische und griechische Staatsanleihen stiegen am Montagmorgen leicht an.

Für zehnjährige Staatsanleihen Spaniens wurden 2,349 Prozent Zinsen fällig, nach 2,121 Prozent am Freitag zu Handelsschluss. Für Italien stiegen die Kosten von 2,248 auf 2,380 Prozent. Der Zinssatz für griechische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg von 14,630 auf 14,800 Prozent. (L'essentiel/chk/sda/dapd)

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