Bauprojekt in Luxemburg: Großbauprojekt in Differdingen könnte aufgrund von russischen Investoren stillgelegt werden

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Bauprojekt in LuxemburgGroßbauprojekt in Differdingen könnte aufgrund von russischen Investoren stillgelegt werden

DIFFERDINGEN – Bisher lief mit der zukünftigen Niederlassung von OcsiAI in Differdingen alles wie geplant. Doch nun ist das Nanoröhren-Werk mit den «dubiosen» Aktivitäten seiner russischen Investoren konfrontiert.

von
Thomas Holzer
Das «Graphene Nanotube Center» soll 2025 in Betrieb gehen.

Das «Graphene Nanotube Center» soll 2025 in Betrieb gehen.

Ocsial

Wird die internationale Lage eines der größten Bauprojekten im Süden Luxemburgs beeinträchtigen? Diese Frage stellt sich nun für das Unternehmen OcsiAI – das größte internationale Nanoröhren-Werk – das in Differdingen eine Fabrik zur Herstellung von Graphen-Nanoröhren errichten soll. Diese dienen unter anderem zur Produktion von Batterien für Elektroautos. Die Produktionsstätte soll in Luxemburg mehr als 300 Arbeitsplätze schaffen. Das Projekt gehört zu den Plänen des Großherzogtums, auf seinem Land die umweltverträgliche Nanotechnologie zu fördern.

Im vergangenen Februar erhielt OcsiAI grünes Licht für den Bau seines Werks. Seither hat das 2012 gegründete internationale Unternehmen mit Sitz in Luxemburg massiv in sein Image investiert – von öffentlichen Veranstaltungen bis hin zum Sponsoring von lokalen Vereinen. Darunter auch: Der Differdinger Fußballclub ‹Red Boys›. Dadurch zeigt sich, dass das Unternehmen vorhat, sich langfristig auf dem luxemburgischen Gebiet niederzulassen.

Konstantin Notman (rechts), CEO von Ocsial.

Konstantin Notman (rechts), CEO von Ocsial.

Durch den Ausbruch des Kriegs in der Ukraine wurde diese Dynamik aufgrund der Identität der Investoren jedoch beeinträchtig. In einer parlamentarischen Anfrage sprach der CSV Abgeordnete Laurent Mosar von Personen «russischer Herkunft mit teilweise dubiosen Praktiken» indem er sich dabei unter anderem auf die Enthüllungen von Reporter.lu stützte. Das luxemburgische Online-Magazin berichtete unter anderem von dem Bankier Igor Kim, der einem Oligarchen die Kapitalflucht aus Russland in Höhe von Milliarden Euro erleichtert haben soll. Einer der Hauptinvestor soll sogar der russische Staat selbst gewesen sein sollen.

«Ich habe das nicht zu beurteilen.»

Christiane Brassel-Rausch, Bürgermeisterin von Differdingen

Etliche Einzelpersonen sowie Organisationen wurden im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg von der EU sanktioniert. Luxemburg verurteilt, wie viele andere Ländern auch, ausdrücklich die russische Invasion und hat Waffen an die Ukraine geliefert. Projekte weiterhin mit «russischen» Geldern zu fördern steht demnach im Widerspruch zur Haltung Luxemburgs bezüglich des Ukraine-Kriegs.

«Wenn sie nicht von den Sanktionen betroffen sind, habe ich das nicht zu beurteilen», sagt die Bürgermeisterin von Differdingen Christiane Brassel-Rausch (Déi Gréng) auf Nachfrage von L'essentiel.

Die Bürgermeisterin ist nach wie vor von dem Projekt überzeugt, das «für Differdingen wichtig» sei, da es «Werkstoff für die Zukunft» sei. «Ich habe in letzter Zeit keine neuen Informationen erhalten, aber ich hoffe, dass das Projekt auf die Beine gestellt werden kann», sagt Brassel-Rausch. Dennoch bestehe ein gewisses Maß an Unsicherheit und die Befürchtung, dass die Führungskräfte von OcsiAI ihre Pläne aufgrund der «explodierenden Preise» ändern könnten.

Baupläne bleiben unverändert

Das Unternehmen bestätigte jedoch, dass «die Pläne weiterhin bestehen, das Graphene Nanotube Center im Jahr 2025 in Betrieb zu nehmen». Laut LSAP-Minister Franz Fayot sei das Unternehmen dabei, «den Antrag auf Baugenehmigung zu finalisieren, um ihn bei der Gemeinde einzureichen».

Seitens der Regierung sei jedoch Vorsicht geboten. Zwar sei eine «Vereinbarung über eine Investitionsbeihilfe» mit dem Staat unterzeichnet worden, doch «bislang wurde noch keine Tranche der Finanzhilfe ausgezahlt», so der Minister. Demnach sei eine Distanzierung von diesem auf 340 Millionen Euro geschätzten Projekt nicht auszuschließen.

«Die Aktionärsstruktur hat sich mehrmals durch den Beitritt neuer Aktionäre verändert. Angesichts der Ereignisse in der Ukraine und der Sanktionen gegen Russland und Belarus ist das Wirtschaftsministerium dabei, seine Informationen in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden zu aktualisieren», heißt es in in einer parlamentarischen Antwort von Franz Fayot an Laurent Mosar.

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