Software-Firma bankrott – «Große Pleite für Luxemburger Verhältnisse»

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Software-Firma bankrott«Große Pleite für Luxemburger Verhältnisse»

LUXEMBURG – Die Filiale der Felten-Gruppe ist pleite. Wieder sind 35 Mitarbeiter in Luxemburg von einer Insolvenz betroffen. «L'essentiel Online» hakt nach.

Als die 35 Mitarbeiter am Dienstag zur Arbeit erschienen, konnten sie nur noch ihre persönlichen Sachen zusammenpacken. Ihr Arbeitgeber, die Luxemburger Filiale des Software- und Beratungsunternehmens Felten-Group in Wecker, hatte am Montag offiziell Insolvenz angemeldet. «Für Luxemburger Verhältnisse ist das eine große Pleite», weiß Luc Lepage. Der LCGB-Gewerkschafter begleitet die Ex-Mitarbeiter bei dem Papierkram, der auf eine Firmenpleite folgt.

«Gerade pleite, schon neue Struktur da»

Einige Mitarbeiter hoffen nun auf eine schnelle Neuanstellung – paradoxerweise in einer gerüchteweise neuen Filiale ihres alten Arbeitsgebers. Denn im Oktober hatte es zwischenzeitlich Verhandlungen für einen Sozialplan gegeben, der jedoch nur 13 Mitarbeiter betreffen sollte. Es hieß die Firma wolle einige der alten Mitarbeiter weiterbeschäftigen. Ob solche Pläne bestehen, war bei Felten-Group, mit ihrem Muttersitz im deutschen Serrig bei Saarburg, auf Anfrage von L‘essentiel Online nicht zu erfahren.

Gesetzlich ist eine Neugründung nach einer Pleite durch die gleichen Unternehmer nicht möglich. Doch sie sei «gängige Praxis», weiß Paul De Araujo, der ebenfalls beim LCGB Opfer von Firmenpleiten betreut. «Vor allem im Bausektor sind Firmen oft gerade erst pleite, schon machen die Verantwortlichen eine neue Struktur auf. Im Gewerberegister erscheint dann ein anderer Name und das Mittelklasseministerium ist machtlos, weil das Registrierungssystem nicht leistungsfähig genug ist, um alle ehemaligen Verantwortlichen wiederzufinden.»

Schnelleres Geld – aber nicht sofort

Dass eine schnelle neue Arbeit den Mitarbeitern entgegenkommen könnte, steht außer Frage. Denn mit dem Verlust der Arbeitsstelle endet auch die Bezahlung direkt, wenngleich auch nach dem Rauswurf noch Gehaltsansprüche bestehen. Sie machen dann eine Erklärung über ausstehende Lohnzahlungen. «Bisher dauert es meistens drei Monate bis alle - sowohl der Insolvenzverwalter, als auch das Arbeitsamt - die Erklärungen bearbeitet haben», erklärt eine Juristin der Arbeiterkammer CSL. «Oft haben Insolvenzopfer schon Monate vor dem Konkurs kein Geld mehr erhalten.»
Nach einem neuen Gesetz soll sich das nun ändern. Die Regierung reagierte damit auf die steigende Zahl der Insolvenzen (siehe Infokasten) sowie auf die Pleite der Baufirma Socimmo im August, die für viel Aufregung gesorgt hatte. Mit einem Schlag standen 466 Mitarbeiter auf der Straße.

Die neue Regelung sieht vor, dass Lohnzahlungen direkt nach dem Ausfüllen der Erklärung zu Dreivierteln übernommen werden. Das Arbeitsamt streckt das Geld vor. Die Mitarbeiter der Felten-Group wurden im Oktober nicht bezahlt, haben laut der Gesetzgebung auch ein Anrecht auf ihre Löhne aus den Monaten November und Dezember sowie die Ausbezahlung restlicher Urlaubstage. Doch für die 35 Insolvenzopfer aus Wecker, überwiegend deutsche Grenzgänger, ist weiter warten angesagt. Das neue Gesetz, das zwar rückwirkend ab Juli gültig ist, dürfte erst kurz vor Weihnachten verabschiedet werden.

sb/L'essentiel Online

Zahl der Pleitefirmen um 25 Prozent gestiegen

918 Unternehmen machten im vergangenen Jahr im Großherzogtum Bankrott, wie die Zahlen von Creditreform Luxemburg zeigen. Das waren so viele wie niemals zuvor in Luxemburg. Im ersten Halbjahr 2011 gingen bereits 452 Firmen pleite, das sind 25 Prozent mehr als im Vorjahr.

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