Kiew – Großer Cyberangriff auf ukrainische Regierung

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KiewGroßer Cyberangriff auf ukrainische Regierung

Mehrere Regierungsseiten wurden durch den Angriff beeinträchtigt. Der EU-Außenbeauftragte sichert der Ukraine Unterstützung zu.

Nach einem großangelegten Cyberangriff sind in der Ukraine am Freitag mehrere Regierungs-Internetseiten nicht erreichbar gewesen. Wegen des «massiven Hackerangriffs» seien die Internetseiten des Außenministeriums und einer Reihe weiterer staatlicher Stellen vorübergehend nicht erreichbar, «unsere Spezialisten arbeiten bereits an der Wiederherstellung unserer IT-Systeme», schrieb der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Oleg Nikolenko, bei Facebook.

Nach einem Bericht der Zeitung «Ukrainskaja Prawda» waren die Websites des Kabinetts, mehrerer Ministerien, den nationalen Notfalldiensten und die Internetseite für staatliche Dienstleistungen, wo die elektronischen Pässe der Ukrainer und Impfzertifikate gespeichert sind, von dem Cyberangriff betroffen.

Gehackte Websites enthielten Botschaft

Dem Bericht zufolge enthielten die gehackten Websites eine Botschaft in ukrainischer, russischer und polnischer Sprache, laut der die persönlichen Daten von Ukrainern geleakt worden seien. «Habt Angst und rechnet mit dem Schlimmsten. Dies ist für eure Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft», hieß es demnach unter anderem. Ukrainische Sicherheitsbeamte erklärten dagegen, es seien keine persönlichen Daten veröffentlicht worden.

Der ukrainische Minister für digitale Transformation, Mychailo Fedorow, sagte, die persönlichen Daten seien sicher, da die «Funktionsfähigkeit der Websites, nicht die Register» vom Hackerangriff betroffen seien. Fedorow sagte, einige der Websites seien von den Administratoren blockiert worden, um den Schaden zu begrenzen und die Attacken zu untersuchen. Er fügte hinzu, «ein großer Teil» der betroffenen Seiten sei wiederhergestellt.

EU kündigt Cyber-Unterstützung der Ukraine an

Wer hinter dem Hackerangriff steckte, war unklar. Er erfolgte jedoch zu einem Zeitpunkt erhöhter Spannungen mit Russland sowie nach Gesprächen zwischen Moskau und dem Westen, in denen in dieser Woche kein Fortschritt erzielt wurde. Der ukrainische Außenamtssprecher Nikolenko sagte der Nachrichtenagentur AP, es sei zu früh für Schlussfolgerungen. Es gebe jedoch eine lange Historie russischer Cyberattacken gegen die Ukraine. Moskau hatte eine Beteiligung an früheren Cyberattacken gegen die Ukraine stets abgestritten.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell erklärte, die EU sei bereit, alle Ressourcen zu mobilisieren, um der Ukraine technische Unterstützung zukommen zu lassen und dabei zu helfen, die Fähigkeit des Landes zur Abwehr von Cyberangriffen zu verbessern. Am Rande des Treffens der EU-Außenminister in der französischen Hafenstadt Brest sagte er, die EU werde ihre Experten für Cyberabwehr mobilisieren.

Russland soll Soldaten versammelt haben

Borrell fügte hinzu, er werde Mitgliedsstaaten darum bitten, die Ukraine von Ressourcen zur Cyberabwehr innerhalb der EU-Kooperationsplattform Pesco profitieren zu lassen, auch wenn das Land kein Mitglied der EU ist. «Wir werden all unsere Ressourcen mobilisieren, um der Ukraine bei der Bewältigung dieser Cyberattacken zu helfen», sagte Borrell. «Traurigerweise haben wir damit gerechnet, dass dies passieren könnte.» Auf die Frage, wer hinter dem Hackerangriff stecken könnte, sagte er: «Ich kann auf niemanden zeigen, weil ich keine Beweise habe, aber man kann es sich vorstellen.»

Die USA schätzen, dass Russland nahe der Ukraine etwa 100’000 Soldaten versammelt hat – eine Truppenansammlung, die Befürchtungen einer Invasion befeuert hat. Moskau weist dies zurück und lehnt Washingtons Forderung ab, das Militär zurückzuziehen. Der Kreml hat vom Westen Sicherheitsgarantien verlangt, die einen Ausschluss einer weiteren Expansion der Nato in östlicher Richtung beinhalten. Die USA und die Nato sind dazu nicht bereit. Gespräche in dieser Woche zwischen Russland und den USA in Genf, zwischen Russland und der Nato in Brüssel und beim Treffen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Wien über die Streitpunkte brachten keine Annäherung.

(L'essentiel/dpa/lea)

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