Model mit Alopezie – «Haare definieren nicht, wer wir sind»
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Model mit Alopezie«Haare definieren nicht, wer wir sind»

Amber Jean Roward hat alle ihre Haare verloren, als sie 15 Jahre alt war. Nach Jahren voller Zweifel liebt sie ihren kahlen Kopf und macht anderen Betroffenen Mut.

Schon als kleines Mädchen hatte Amber nur einen Traum: Sie wollte Model werden. Als sie mit 15 einer Freundin ihre Strähnchen zeigen wollte, die sie soeben beim Friseur gemacht hatte, sprach diese sie auf eine kahle Stelle an ihrem Kopf an. «Ab da verlor ich büschelweise Haare und innerhalb eines Jahres war ich kahl», erklärt die in Dublin geborene Amber gegenüber «The Sunday Times». Ein Arzt diagnostizierte daraufhin Alopezie bei ihr.

Es folgten Jahre voller Scham und Verstecken: «Ich wollte einfach nur ein ganz normaler Teenager sein, Jungs daten und Spaß haben», sagt Amber. Sie kaufte sich schlecht sitzende Perücken, die juckten und hoffte inständig, dass niemand von ihrem Geheimnis erfährt. Nur ihre Familie und engsten Freundinnen waren eingeweiht. Amber erzählt: «Perücken wurden zu meinem Schutzschild. Nur gab es keine, die sich natürlich anfühlten und nicht nach Karneval aussahen.»

Ein Model mit Perücke

Als die Irin mit 18 von einem Model Scout angesprochen wurde, konnte sie ihr Glück nicht fassen. Endlich ging ihr Traum in Erfüllung, sie zog nach London und hatte erste Aufträge, mit Perücke und künstlichen Wimpern.

Einige Monate später fielen ihre Augenbrauen auch aus. Ihre Agentin, die von ihrer Krankheit wusste und sie bis dahin unterstütze, riet ihr, sich aus Selbstschutz nun aus dem Model-Business zurück zu ziehen.

Amber nutzte diese Auszeit und ging nach Indien in ein Yoga-Retreat. «Ich schwor mir, diese Auszeit zu nutzen um Frieden mit meinem kahlen Kopf zu schließen», erzählt Amber auf Social Media. Sie packte bewusst keine Perücke in den Koffer. «Es war so befreiend, beim Schwimmen das Wasser auf meiner nackten Kopfhaut zu spüren», sagt sie. Nach diesen Wochen hatte sie ein völlig neues Selbstbewusstsein und wollte dieses Gefühl teilen. Zurück in Irland gründete sie eine Online-Plattform namens «Hair Free», auf denen sie anderen Betroffenen Mut machen will.

Sie kreierte eine eigene Perückenlinie und ist heute wieder ein oft gebuchtes Model und Schauspielerin. Sie gibt auch hilfreiche Tutorials, wie zum Beispiel fürs Schminken von Augenbrauen – eine Technik, die sie mittlerweile perfektioniert hat:

«Ich bin glücklich und dankbar für meine Erfahrungen. Heute liebe ich mich – mit oder ohne Perücke. Denn Haare definieren nicht, wer wir sind», sagt Amber. Sie hätte sich nur gewünscht, dass sie als Teenager schon mehr Informationen und Inspiration zum Thema gefunden hätte.

(L'essentiel/Geraldine Bidermann)

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