«Trainspotting»-Fortsetzung – Haben sich 20 Jahre Warten gelohnt?
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«Trainspotting»-FortsetzungHaben sich 20 Jahre Warten gelohnt?

Als «Trainspotting» 1996 ins Kino kam, wurde der Film zum Instant-Klassiker. Die Fortsetzung? Not so much.

Das Problem fängt schon beim Namen an: «T2». Was ist das? Ein Flughafenterminal? Ein VW-Bus? Eine neue Teesorte mit extra viel Antioxidantien? Natürlich nicht, T2 steht einfach für «Trainspotting 2». Was vielleicht nicht «fresh» genug klang.

Ein Rätsel bleibt auch die Frage: Worum geht es in dieser Fortsetzung eigentlich? Viel passiert zumindest nicht. Etwas über 20 Jahre nachdem Renton (Ewan McGregor) sich mit dem Drogengeld aus dem Staub machte und seine «Freunde» um 16.000 Pfund prellte, kehrt der mittlerweile cleane Mann von Amsterdam nach Edinburgh zurück und trifft dort auf seine alten Weggefährten Sick Boy und Spud.

Junkies in der Midlife-Crisis

Sick Boy nennt sich mittlerweile Simon (man ist schließlich Mitte 40), die neue Droge seines Vertrauens ist Kokain. Zusammen mit einer einer bulgarischen Prostituierten erpresst er Männer mit Sexvideos. Spud ist immer noch ein Loser-Junkie in seiner Loser-Sozialwohnung und will sich gerade umbringen, als Renton zufällig vor seiner Tür steht und ihn rettet.

Praktischerweise (jedenfalls für den Drehbuchautor) fällt Rentons Rückkehr in seine Heimatstadt zeitlich mit Begbies Ausbruch aus dem Gefängnis zusammen. Der Ober-Psycho will sich an Renton rächen. Am Schluss liegt ein Puff in Trümmern und Begbie im Kofferraum, und die Frage bleibt: Wozu das alles?

Boyle setzt auf Nostalgie statt Gesellschaftskritik

Als Teil eins 1996 in die Kinos kam, war er sofort ein Klassiker. Die ultraschwarze Komödie mit ihrem genialen Soundtrack fing perfekt das Lebensgefühl der ausgehenden Thatcher-Jahre ein. Jugendliche ohne Perspektive, die auf der Suche nach dem nächsten Schuss durch das heruntergekommene Edinburgh streifen. No future! Das war ihre Devise, denn diese Zukunft hatte ihnen das System genommen. Wir sahen im Kino, wie sich Därme unkontrolliert entleerten, ein Baby verhungerte und HIV noch ein Todesurteil bedeutete.

Die Fortsetzung dagegen wirkt wie aus der Zeit gefallen. Dabei gäbe es viel zu sagen. Brexit, die schottischen Unabhängigkeitsbestrebungen oder die Gentrifizierung, die junge Leute aus den Metropolen drängt. Doch dem hat Danny Boyle anders als vor 20 Jahren nichts hinzuzufügen.

Stattdessen setzt er voll auf Nostalgie, zeigt zum Teil sogar Szenen aus dem Originalfilm oder stellt sie nach. Zum Beispiel als Renton vor ein fahrendes Auto läuft. Das kann man machen, es wirkt aber wahnsinnig anbiedernd. «T2» ist kein schlechter Film, dafür sind alle Beteiligten zu gut– aber er fühlt sich wie eine verpasste Gelegenheit an.

(L'essentiel)

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