Vendée Globe – Härteste Regatta der Welt endet in einem Krimi

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Vendée GlobeHärteste Regatta der Welt endet in einem Krimi

Die Vendée Globe, die härteste Segelregatta der Welt, neigt sich dem Ende entgegen und ist dabei rund wenige Tage vor dem Ende spannend wie noch nie zuvor.

77 Tage sind sie schon auf hoher See, seit dem 8. November, haben dem Polarmeer getrotzt, heiße Flauten, orkanartige Stürme und meterhohe Wellen überstanden. Sie sind bislang über 45.000 Kilometer alleine, ohne Zwischenstopp und ohne fremde Hilfe durch alle sieben Weltmeere gesegelt. Sie haben die drei Südkaps (Kap der Guten Hoffnung, Kap Leeuwin und Kap Hoorn) umrundet, während sie Tag und Nacht ihre Hightech-Jachten überwachten. Dabei schliefen sie jeweils nur immer maximal eine Stunde am Stück, teilweise bei Lärm von über 100 Dezibel.

Die neunte Austragung der Vendée Globe, sie hat bisher den sechs Frauen und 27 Männern, die am 8. November im französischen Atlantikstädtchen Les Sables-d’Olonne in See stachen, alles abgefordert. Acht von ihnen mussten das Rennen bisher aufgeben – normalerweise schaffen es nur die Hälfte aller gestarteten Skipper wieder bis ins Ziel. Auch die aktuelle Austragung bot wieder viel Drama. Der britische Favorit versuchte während einer Woche einen Riss im Rumpf seines Schiffes zu reparieren und musste dann die Regatta schweren Herzens doch beenden. Ein Franzose musste in einer dramatischen Rettungsaktion aus Seenot gerettet werden musste.

Kein Rekord, dafür Spannung pur

Und genau diese Rettungsaktion könnte nun die Regatta entscheiden. Denn an der Spitze des Feldes bahnt sich ein spannender Schlussspurt an, den es so in der Geschichte der Vendée noch nie gab. Bei der letzten Weltumseglung vor vier Jahren, die in einer Rekordzeit von 74 Tagen endete, trennten den Ersten und den Zweiten 16 Stunden. Der Dritte überquerte gar erst vier Tage nach dem Sieger Armel Le Cléac’h die Ziellinie.

Ein Rekord wird dieses Jahr nicht fallen, zu speziell waren die meteorologischen Bedingungen in diesem Jahr in einer Kombination aus zu wenig Wind und zu starkem Wellengang. Dafür bietet die Vendée allen Segelfans Spannung pur: Jetzt segeln sieben Boote an der Spitze, wobei der Siebtplatzierte (Stand: Freitag 23 Uhr) nur rund 450 Kilometer hinter dem Führenden Charlie Dalin zurückliegt. Allerdings sind es der Deutsche Boris Hermann, momentan Dritter und der Franzose Yannick Bestaven, Fünfter, welche nach ihrer Hilfe bei der Rettungsaktion von der Rennjury noch eine Zeitgutschrift von sechs respektive zehn Stunden erhalten haben. Diese wird bei der Zielankunft gewertet. Hermann, der nur 77 Kilometer hinter Dalin segelt, hat damit durchaus Chancen, als erster Nicht-Franzose die Regatta für sich zu entscheiden. «Es wird sehr eng. Es wird eine harte Woche, auf die ich mich aber freue», sagte der 39-Jährige, der letztes Jahr die Klimaaktivistin Greta Thunberg mit seiner Jacht nach New York übersetzte.

Sichere Ankunft als Ziel für jüngsten Teilnehmer

Nichts mit dem Sieg zu tun hat Alan Roura. Der mit 27-Jahren jüngste Teilnehmer im Feld, befindet sich momentan mit seinem beschädigten Boot auf dem 16. Rang, 6100 Kilometer hinter dem führenden Dalin. Ursprünglich wollte er das Rennen auf einem Top-10-Platz und in weniger als 80 Tagen beenden.

Schon seit November kämpft Roura mit Problemen auf seiner Jacht. Zum Jahreswechsel musste er sein Boot auf hoher See zwölf Stunden notdürftig reparieren, um es wieder auf Kurs zu bringen. «Ich wollte ein tolles sportliches Resultat. Jetzt muss ich mich jeden Tag daran erinnern, dass nur schon das Rennen zu beenden, ein Erfolg ist», so der Genfer.

(L'essentiel/Erik Hasselberg)

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