Finanzen: Handelskammer sieht Gefahr für luxemburgische Wirtschaft

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FinanzenHandelskammer sieht Gefahr für luxemburgische Wirtschaft

LUXEMBURG – Am heutigen Donnerstag hat die Handelskammer eine beunruhigende Bestandsaufnahme der nationalen Wirtschaftslage und der Aussichten für das kommende Jahr vorgenommen.

von
Nicolas Chauty
Die Handelskammer ist besorgt über das schwache Wirtschaftswachstum. (Symbolbild)

Die Handelskammer ist besorgt über das schwache Wirtschaftswachstum. (Symbolbild)

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Fast jedes Jahr warnt die Handelskammer, die Staatsausgaben könnten außer Kontrolle geraten. Dieses Jahr scheint es ernst zu sein. Laut Carlo Thelen, Generaldirektor der Handelskammer, verliert Luxemburg außerhalb des Finanzsektors in vielen Bereichen an Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit, das Wirtschaftswachstum sei schwächer, die zukünftigen Einnahmen würden deshalb geringer ausfallen und am Ende sei das Triple-A-Rating des Landes gefährdet.

«Der Trend geht zu einem schwachen Wachstum, zwischen 1 und 2 Prozent des BIP, das macht uns Sorgen. Das ist die Hälfte von dem, was wir für unseren sehr hohen Lebensstandard brauchen», erläutert Carlo Thelen. Die Industrie und das Baugewerbe würden stark in Mitleidenschaft gezogen und die Sozialversicherung biete kein so dickes Polster mehr wie früher. Selbst die Steuereinnahmen seien mit diesem Befund nicht mehr gesichert.

«In Krisenzeiten haben wir weniger Einnahmen, aber die Ausgaben laufen weiter». Die aktuellen Maßnahmenpakete seien zudem sehr teuer. Hinzu kommt die Finanzierung des kostenlosen ÖPNV für alle. Laut Carlo Thelen steht die öffentlichen Finanzen unter enormem Druck.

Carlo Thelen.

Carlo Thelen.

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Die Handelskammer ist auch der Meinung, die Indextranchen und die erneute Erhöhung des Mindestlohns würden die Situation 2023 nicht verbessern. Dass der Mindestlohn in vier Jahren um 16,5 Prozent gestiegen ist, sei zwar gut für die Kaufkraft der Luxemburger, «aber es geht zu Lasten der Unternehmen, die heute zusätzlich unter den steigenden Energierechnungen leiden», so Thelen. Die Unternehmen, die ohnehin Schwierigkeiten haben, neue fähige Arbeitskräfte zu finden, müssten nun versuchen, dabei noch weniger Risiken einzugehen.

Thelen betont weiterhin, es sei wichtig, dass man Unternehmen und Privathaushalten hilft, aber dabei müsse man selektiv vorgehen. «Die Leute vergessen manchmal, dass das Geld nicht vom Himmel fällt.» Im Endeffekt sei es zwingend notwendig, dass die Unternehmen gut laufen. Die Handelskammer verspricht bereits, sich an den Debatten über diese großen sozioökonomischen Herausforderungen für die nächsten Parlamentswahlen zu beteiligen.

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