Jahrhundertflut – Harvey stellt Trump auf Bewährungsprobe

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JahrhundertflutHarvey stellt Trump auf Bewährungsprobe

Donald Trump will beweisen, dass er bei der Katastrophe in Texas am Ball ist. Frühere Beispiele zeigen, dass für US-Präsidenten bei Naturkatastrophen viel auf dem Spiel steht.

So weit, so gut: Dies ist nach einer Bilanz in der «Washington Post» der Tenor der meisten Kommentare über die Leistung von Donald Trump in den ersten Tagen der Mega-Flutkatastrophe von Texas. Der bislang von Krisen verschonte US-Präsident fliegt am Dienstag nach Corpus Christi und dann in die Haupstadt Austin. Soweit das möglich ist, will Trump das Ausmaß der vom Hurrikan Harvey angerichteten Verheerung mit eigenen Augen sehen und die Rettungs- sowie Hilfsarbeiten koordinieren.

Es steht nicht nur für die Millionen von betroffenen Menschen viel auf dem Spiel. Trump muss jetzt aufpassen, was er sagt und was seine Regierung unternimmt. Denn politisch kann sich eine Großkatastrophe für Politiker einschneidend auswirken. Frühere Fälle zeigen, dass ein Hurrikan die Karriere eines Politikers machen – oder zerstören – kann.

George W. Bush und Katrina

Als abschreckendes Beispiel kann Trump die verpatzte Reaktion von Präsident George W. Bush auf Hurrikan Katrina im Jahr 2005 dienen. Bush gibt heute selber zu, dass er zu langsam auf den Sturm reagierte, der weiteste Teile von New Orleans unter Wasser setzte und über 1000 Menschen das Leben kostete. Insbesondere habe er zu spät realisiert, dass sich die lokalen Behörden bei dem Desaster chaotisch verhielten, schreibt er in seinem Memoirenband «Decision Points». «In einer nationalen Katastrophe, ist es am einfachsten, dem Präsidenten die Schuld zu geben. Katrina bot eine politische Gelegenheit, die manche Kritiker während Jahren ausnützten.»

Bush wird insbesondere vorgeworfen, dass er die Katastrophenhelfer der Bundesregierung nicht vor dem Sturm an den Einsatzort schickte. Dann verbreitete das Weiße Haus ein Foto, das Bush in seinem Präsidentenjet hoch über New Orleans zeigte. Das Bild signalisierte eine Distanz zu den betroffenen Menschen. So habe Katrina «das Vertrauen der Bürger in ihre Regierung beschädigt», schreibt Bush. Der Sturm «legte einen Schatten über meine zweite Amtszeit.»

Barack Obama und Sandy

Während sich Bush politisch vom Katrina-Schaden nie erholte, verdankt Barack Obama dem «Superstorm» Sandy 2012 zum Teil die Wiederwahl. Der Nachfolger lernte von den Fehlern des Vorgängers und präsentierte sich als engagierter Präsident, dem das Schicksal der Menschen wichtig ist und der ständig mit Helfern in Kontakt steht.

Weil Sandy New York und den US-Nordosten nur gut eine Woche vor den Präsidentschaftswahlen heimsuchte, nützte der Sturm Obama. Trump erkannte diesen Zusammenhang damals schon, wie er laut CNN in einem Tweet schrieb: «Hurrikan ist wieder ein Glück für Obama - er wird die Wahl kaufen, indem er Milliarden von Dollars verteilt.»

Für den jetzigen Präsidenten geht die größte Gefahr von seiner Persönlichkeit aus, glaubt Ari Fleischer. Bushs einstiger Pressessprecher sagte zu Politico: «Wenn er über sich selbst redet, über seinen Sieg in Texas oder über irgend etwas, das nichts mit Dank und Lob zu tun hat – ich mag gar nicht daran denken, wie daneben das wäre.»

(L'essentiel/sut)

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