Kannibalismusklage – Hat der Schiffbrüchige seinen Partner gegessen?

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KannibalismusklageHat der Schiffbrüchige seinen Partner gegessen?

Salvador Alvarenga trieb 14 Monate im Meer. Doch was geschah mit seinem 22-jährigen Partner? Dessen Familie hat einen schlimmen Verdacht und klagt nun auf eine Million Dollar.

Fische, Vögel, Quallen, Regenwasser, Urin und Schildkrötenblut. Damit allein will Fischer Salvador Alvarenga vierzehn Monate im Pazifik überlebt haben. Fast zwei Jahre nach der Rettung des 36-Jährigen vermutet die Familie von Alvarengas Gefährten, der Schiffbrüchige verdanke sein Überleben noch etwas anderem: Menschenfleisch.

Die Mutter und andere Familienmitglieder des einstigen Bootspartners Ezequiel Cordoba behaupten, Alvarenga habe dessen sterbliche Überreste nicht über Bord geworfen, sondern gegessen. Wie die Daily Mail mit Verweis auf die Zeitung «El Diario de Hoy» in El Salvador berichtet, fordern die Cordobas deshalb in einer Schadenersatzklage von Alvarenga eine Million Dollar.

Was geschah mit dem Leichnam?

Der bärtige, verwirrt wirkende, aber gesunde Alvarenga wurde im Januar 2014 auf den Marshallinseln an Land gespült. Er erzählte, 438 Tage vorher seien er und der 22-jährige Cordoba auf der Suche nach Thunfisch vor der mexikanischen Pazifikküste in einen Sturm geraten. Ihr acht Meter langes Boot schlug leck und trieb steuerlos im Wasser. Der Gefährte habe den Hunger und Durst nicht ertragen und sei bald verstorben. Angeblich führte Alvarenga den Leichnam auf dem kaputten Boot zu Beginn mit. Später habe er ihn dem Meer übergeben.

Alvarengas wundersame Überlebensgeschichte machte weltweit Schlagzeilen. Von Anbeginn fragten sich viele, ob da nicht Seemannsgarn gesponnen werde. Wie NBC News zusammenfasst, hielten Ozeanografen, Ärzte und Überlebensspezialisten die Geschichte aber für glaubwürdig. Und im April 2014 bestand Alvarenga einen Test des Lügendetektors.

Geht es um das Buchhonorar?

Der neuste Vorwurf gegen den Fischer sei völlig unberechtigt, sagt dessen Rechtsanwalt Ricardo Cucalon zum «El Diario». Cucalon bezeichnete es als auffällig, dass die Rechtsklage bloß Tage nach dem lang erwarteten Erscheinen des ersten Buchs über Alvarengas Tortur eingereicht wurde. «Ich glaube, die Familie will einen Teil der Tantiemen erpressen. Viele glauben, das Buch mache meinen Mandanten zu einem reichen Mann. Aber er wird viel weniger verdienen als die Leute glauben.»

Das aufgrund von Interviews von Jonathan Franklin verfasste Buch kam unter dem Titel «438 Tage: Überlebenskampf auf dem Pazifik» vergangene Woche auch auf Deutsch heraus. In einer Zusammenfassung im Guardian schreibt Franklin, Alvarenga habe in den Monaten nach seiner Rettung geradezu eine Phobie vor dem Meer entwickelt. Erst dieses Jahr habe er realisiert, was für eine unerhörte Reise hinter ihm liegt. Alvarenga sagt: «Du hast nur eine Chance zu leben – also schätze sie.»

(L'essentiel/sut)

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