Diskussion um Einfädler – Hat Hirscher zwei Slalom-Siege «gestohlen»?
Publiziert

Diskussion um EinfädlerHat Hirscher zwei Slalom-Siege «gestohlen»?

Marcel Hirscher geht immer ans Limit. Oder auch mal drüber hinaus? High-Speed-Kameras sollen beweisen, dass der Österreicher bei seinen Slalom-Siegen in Zagreb und Adelboden eingefädelt hat.

Hat Marcel Hirscher in Zagreb und Adelboden eingefädelt? (Bild: Keystone)

Hat Marcel Hirscher in Zagreb und Adelboden eingefädelt? (Bild: Keystone)

Der österreichische Slalom-Teufelskerl Marcel Hirscher ist offenbar zu schnell für die Torrichter und die Fernsehkameras. Wegen seinem extremen Fahrstil sind Einfädler beim Zweiten im Gesamtweltcup nur sehr schwer festzustellen. Nach den sichtbaren Einfädlern von Wengen und Kitzbühel sorgen nun zwei weitere Vorfälle für viel Diskussionsstoff.

Zunächst zum aktuellen Geschehen: Beim Slalom von Kitzbühel wurde der Österreicher im ersten Lauf wegen eines angeblichen Einfädlers disqualifiziert. Hirscher soll - fast unbemerkt - schon am ersten Tor eingefädelt haben. Eine Super-Slow-Motion des österreichischen Fernsehens ORF zeigte dann allerdings, dass der Seriensieger dieses Winters die Stange (wohl) korrekt passiert hatte.

Daraufhin erschien Hirscher wieder im Klassement. Im zweiten Lauf folgte nach einem deutlich sichtbaren Einfädler dann aber doch noch die Disqualifikation. Eigentlich hätte der Österreicher abschwingen müssen, doch weil er seinen Fehler offenbar nicht bemerkt hatte, fuhr er wie schon in Wengen weiter. Auch damals wurde Hirscher nachträglich disqualifiziert.

Einfädler bei Siegen in Zabreb und Adelboden?

Unbemerkt sollen offenbar die Einfädler bei seinen Slalom-Triumphen in Zagreb und Adelboden geblieben sein. Erst aufgrund von anonymen SMS wurden die Sieges-Fahrten von Hirscher nochmals analysiert. Wie Aufnahmen von High-Speed-Kameras beweisen sollen, hat der Slalom-Spezialist aber auch dort eingefädelt. Er wäre so zu zwei irregulären Siegen gekommen.

ÖSV-Cheftrainer Mathias Berthold hatte zunächst einen «Krone»-Bericht über Hirschers Einfädler in Zagreb bestätigt. «Wir haben bei der Videoanalyse einige Tage später beim fünften Mal Hinschauen gesehen, dass Marcel eingefädelt hat.» FIS-Renndirektor Günter Hujara gab wenig später aber Entwarnung. Nach Ansicht der TV-Bilder sagte er im ORF, Hirscher habe keinen Torfehler begangen.

Auch Felix Neureuther, der in Zagreb Zweiter wurde, soll übrigens eingefädelt haben. Eine Bestätigung dafür und für Hirschers Adelboden-Einfädler stehen aber noch immer aus.

Hirscher behält Punkte

Der 22-jährige Hirscher verteidigte unterdessen seine Fahrweise. Dass er nach den Einfädlern nicht abschwinge, habe nichts mit Unsportlichkeit zu tun. «Ich merke das gar nicht, weil ich in den Rennen wie in Trance fahre. Als Athlet ist man so am Limit. Dann ist die Piste schlecht, du kriegst eine Stange an den Kopf, hast Adrenalin im Körper», verteidigt sich der Österreicher. «Fairness ist wichtig.»

Angst um seine 200 Punkte braucht der Österreicher aber nicht zu haben. Die Protestfrist endet jeweils 15 Minuten nach den Rennen. Hirscher können die beiden Siege nachträglich also nicht aberkannt werden. Und auch in Zukunft ist es schwer, Einfädler dieser Art sofort zu erkennen. Nur mit High-Speed-Kameras wäre das nämlich möglich.

Kostelics großer Ärger

Ivica Kostelic, Hirschers Hautpkonkurrent im Kampf um den Gesamtweltcup, konnte seinen Ärger über Hirschers zwei «gestohlene» Siege nicht verbergen. Wutentbrannt stapfte er nach seinem zweiten Rang im Slalom von Kitzbühel durch den Zielraum und liess sich kaum beruhigen. Am Samstag hatte auch er vom «Fall Hirscher» erfahren.

Das kroatische Team überlegt sich trotz der 15-Minuten-Regel einen Protest einzulegen. Sie berufen sich darauf, dass bei «klaren Beweisen» einem Protest innerhalb von 30 Tagen stattgegeben werden könnte. In Adelboden wurde Kostelic hinter Hirscher Zweiter, beim Heimspiel in Zagreb hinter Hirscher und Neureuther Dritter. Der Kroate könnte also um zwei Siege gebracht worden sein.

(L'essentiel online/pre/si)

Deine Meinung