Schwerer Vorwurf – Hat Venezuela Pässe an Terroristen verkauft?

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Schwerer VorwurfHat Venezuela Pässe an Terroristen verkauft?

Die venezolanische Botschaft in Bagdad soll illegal Pässe ausgestellt haben – auch an Terroristen. Mit diesen kann man in 130 Länder reisen. Zum Beispiel in die Schweiz.

Hunderte Personen aus dem Nahen und Mittleren Osten, darunter Kriminelle und Terroristen, sollen venezolanische Pässe besitzen. Das berichtet der Nachrichtensender CNN. Ausgestellt wurden die Pässe demnach von der venezolanischen Botschaft in der irakischen Hauptstadt Bagdad.

Misael López (41) arbeitete ab Juli 2013 als juristischer Berater in der Botschaft im Irak. An seinem ersten Arbeitstag hätte sein Chef, Jonathan Velasco, ihm einen Umschlag voll mit Visa und Pässen überreicht. «Velasco sagte: ‹Bearbeite das, das sind eine Million Dollar›», behauptet López im CNN-Interview.

Auf sein ungläubiges Staunen soll Velasco geantwortet haben: «Menschen hier zahlen viel, um das Land verlassen zu können.» Mit dem venezolanischen Pass kann man ohne Visa in 130 Länder reisen, darunter auch in die Schweiz. Die USA sind visumspflichtig.

López begann, Mitarbeiter zu beobachten

Einen Monat später habe ihm eine irakische Mitarbeiterin, die als Dolmetscherin angestellt war, gesagt, dass sie Tausende Dollars verdiene, indem sie Pässe verkaufe, so López. Auch er könne reich werden. Der Jurist sagt, er habe das Geld abgelehnt und die Mitarbeiter mehrmals aufgefordert, damit aufzuhören. schließlich habe er begonnen, sie auszuspionieren.

Eines Tages fand er eine Liste mit 21 arabischen Namen und den dazugehörigen Passnummern. Auf Anfrage von CNN sagte das Einwohneramt in Venezuela, dass die Pässe gültig seien. Eine öffentlich zugängliche Datenbank zeigt aber bei 20 der 21 Passnummern Menschen mit spanischen Namen an.

López fand noch andere Fälle: Iraker hätten plötzlich venezolanische Pässe gehabt, auf denen stand, dass sie gebürtige Venezolaner seien. Viele der Käufer hätten eine kriminelle Vergangenheit oder Verbindungen zu terroristischen Organisationen, beteuert López.

Keiner wollte davon wissen

López notierte alle Vorkommnisse und meldete diese seinem Vorgesetzten Velasco. Dieser blockte aber ab. 2015 meldete sich López direkt bei Delcy Rodríguez, der Außenministerin von Venezuela. Wieder passierte nichts. Seine Arbeitskollegen hätten weiter Pässe verkauft, sagt er. Dann wandte sich López an das FBI bei der US-Vertretung in Madrid.

Die US-Bundespolizisten schickten die Unterlagen ans Hauptquartier in Washington. Ende 2015 wurde López von der Regierung Venezuelas entlassen. Er wurde beschuldigt, vertrauliche Dokumente veröffentlicht zu haben. López sagt: «Statt mich zu unterstützen, klagten sie mich an!»

«Die Geschichte ist erlogen»

Auf Anfrage von CNN schrieb der venezolanische Botschafter Velasco: «Wir haben nichts zu verstecken. Ich bin sicher, dass die Botschaft nie venezolanische Pässe verkauft hat.» Außenministerin Rodríguez reagierte nicht auf Interviewanfragen des Senders.

Auf der Straße vor dem UNO-Hauptgebäude in New York, von einem CNN-Reporter angesprochen, sagte sie dann: «Sie folgen den Lügen einer Person, die nicht weiß, wovon sie redet.» Die ganze Geschichte sei erlogen.

«Ich habe Angst um meine Sicherheit»

Für López ist klar: Die Korruption reicht in Venezuela bis ganz nach oben. Mit seinen Vorwürfen steht er nicht allein da: Schon mehrmals hieß es, Venezuela verkaufe Pässe. So sagte etwa Roger Noriega, unter US-Präsident George W. Bush Diplomat in Lateinamerika, zu CNN: «Venezuela hat Tausenden aus dem Mittleren Osten zu Pässen und Visa verholfen.»

López lebt nun in Spanien im Exil. «Ich habe Angst um meine Sicherheit und um die Sicherheit meiner Familie», sagt er.

Im Interview mit CNN erzählt Misael López von seinen Erfahrungen:

(Video: CNN)

(L'essentiel/vbi)

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