Ratzinger vs. Titanic – Heiliger Stuhlgang und Unterlassungsklage
Publiziert

Ratzinger vs. TitanicHeiliger Stuhlgang und Unterlassungsklage

Die Satire-Zeitschrift «Titanic» hat es erneut geschafft, den Papst gegen sich aufzubringen. Der heilige Stuhl droht den Spaßvögeln mit weltlichen Konsequenzen.

Das deutsche Satiremagazin «Titanic» hat Ärger mit Papst Benedikt XVI. Das Oberhaupt der katholischen Kirche fühlt sich durch das aktuelle Titelbild in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt und fordert die «Titanic» zu einer Unterlassungserklärung auf. Kurienerzbischof Angelo Becciu aus dem Vatikanischen Staatssekretariat habe im Namen von Benedikt XVI. eine Bonner Kanzlei mit der Durchsetzung der Unterlassung beauftragt, teilte das Magazin am 10. Juli mit.

Die Kanzlei bestätigte den Vorgang. Auf dem Titelbild sieht man den Papst; auf seiner Soutane ist ein großer gelber Fleck zu sehen. Auf dem Titel heißt es dazu in Anspielung an den «Vatileaks»-Skandal um den Verrat von Interna aus dem Vatikan: «Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!». Zudem wird auf der Rückseite des Heftes der Papst von hinten mit einem großen braunen Fleck mit Kommentar «Noch eine undichte Stelle gefunden!» gezeigt.

Papa Ratzi liebt Fanta

Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp sagte, dadurch werde Benedikt XVI. in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt. Die «Titanic» überschreite «jedes Maß an Zumutbarem». Das habe eine rechtliche Prüfung bestätigt. Aus diesem Grund sei das Magazin aufgefordert worden, eine Unterlassungsverpflichtungserklärung abzugeben. Die von «Titanic» beauftragte Anwältin habe sich bereits gemeldet und eine Stellungnahme angekündigt.

Das Magazin reagierte erwartungsgemäß ironisch. «Benedikt muss uns missverstanden haben», erklärte Chefredaktor Leo Fischer in einer Medienmitteilung. Der Titel zeige einen Papst, «der nach der Aufklärung der Spitzelaffäre (‹Vatileaks›) feiert und im Überschwang ein Glas Limonade über seine Soutane verschüttet» habe. «Es ist allgemein bekannt, dass der Papst ein großer Freund des Erfrischungsgetränks Fanta ist.»

Heiliger Stuhl erwirkt einstweilige Verfügung

Man hoffe nun auf ein persönliches Gespräch mit dem Heiligen Vater, «um das Missverständnis auszuräumen», hieß es weiter. Die Unterlassungserklärung werde man einstweilen nicht unterzeichnen. Kopp sagte, es sei noch offen, wie es nun weitergehe.

Der heilige Stuhl hat hingegen vor Gericht einen ersten Erfolg verbuchen können und eine einstweilige Verfügung erwirkt. Wie eine Sprecherin des Landgerichtes Hamburg sagte, darf «Titanic» unter Androhung eines Zwangsgeldes die Hefte nicht weiter verbreiten und die Bilder nicht im Internet veröffentlichen. Allerdings müssten die bereits an den Handel verschickten Ausgaben nicht zurückgerufen werden.

Geistlicher in Schritthöhe vor Jesus

Nach Angaben des Blattes ist es das erste Mal, dass ein Papst zivilrechtlich gegen die «Titanic» vorgeht. Das Magazin hatte bereits vor zwei Jahren Ärger wegen eines Titelbildes, das sich auf die Kirche bezog. Das Satiremagazin hatte einen katholischen Geistlichen gezeigt, der in Schritthöhe vor Jesus am Kreuz kniet, der im Gesicht dunkelrot angelaufen ist. Das Heft griff damit die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche auf.

Beim Deutschen Presserat waren damals rund 200 Beschwerden eingegangen, die der Beschwerdeausschuss alle abgelehnt hatte. Der Presserat hat bei dem aktuellen Fall bislang keine Protestwelle verzeichnet. Erst ein Leser habe sich bis zum Dienstagnachmittag über das provokante Papst-Cover beschwert, sagte Sprecherin Edda Kremer auf dapd-Anfrage. Dieser hatte sich bereits am 3. Juli gemeldet. Das Satire-Magazin ist seit einigen Tagen im Handel erhältlich.

(L'essentiel Online/mth/phi/sda/dapd)

Deine Meinung