Aufruhr in Libyen – Heimkehrer: «Es wird überall geschossen»

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Aufruhr in LibyenHeimkehrer: «Es wird überall geschossen»

Viele Länder lassen derzeit ihre Bürger aus Libyen ausfliegen. So berichten unter anderem Italiener und Deutsche von Horror-Szenen, die sich in Libyen abspielen.

Gewalt und Horrorszenen auf den Straßen von Tripolis, absolutes Chaos auf dem Flughafen der libyschen Metropole - die ersten in ihre Heimat zurückgeflogenen Italiener berichten von Tagen des Schreckens in dem vom Umsturz erfassten nordafrikanischen Land. «Auf der Fahrt von Sabratha nach Tripolis haben sie versucht, uns zu lynchen, es war entsetzlich», so ein Passagier noch mit Angst in den Augen, wie die Zeitung «La Repubblica» am Mittwoch berichtete. Er war unter den ersten 175 am Dienstag nach Rom ausgeflogenen Italienern.

«Im ganzen Land gibt es Kämpfe, überall wird geschossen», erklärt der Italiener Fabrizio Carelli bewegt. «Die Lage in Tripolis ist wahnsinnig, die Straßen sind leer, und die Privattruppen Gaddafis schießen auf alles», fügt der dem Chaos entkommende Libyer Mohammed Sherif an. Von allen Seiten seien Schüsse zu hören gewesen, man habe sich nicht auf die Straße gewagt, so sagen auch andere. «Angst hatten wir nicht, sie führen Krieg unter sich, zu uns (Ausländern) sind sie freundlich», berichtete ein Italiener.

Kaum Versorgung am Flughafen von Tripolis

Der Flughafen von Tripolis sei jetzt eine Art Flüchtlingslager, «es mangelt an Wasser und Essen, während Tausende darauf warten, abfliegen zu können», so wurde der Zeitung «Corriere della Sera» berichtet. Man müsse sich drängelnd Platz verschaffen und für das Einchecken über die Leute steigen.

Auch Deutsche wurden aus Libyen ausgeflogen. «Wir hatten Angst und wollten nur noch raus», berichtet Christian Treusch, der mit einer Sondermaschine in seiner Heimat ankam. Die letzten Tage in dem von blutigen Protesten geprägten Land seien «schlimm» gewesen. «Wir haben zwar keine Toten gesehen, aber viele Schüsse gehört», schildert Treusch die letzten Tage in dem von bürgerkriegsähnlichen Unruhen erschütterten Land. Die Supermärkte seien wie leergefegt und die Lebensmittelvorräte der Familie aufgebraucht gewesen.

Supermärkte sind leergekauft

«Das ist ein Riesen-Aufstand da drüben, die Bevölkerung bewaffnet sich und viele machen Hamsterkäufe», erzählte Eva King-Leonhard, Angestellte eines Bauunternehmens, nach ihrer Rückkehr nach Frankfurt am Main. hrer Meinung nach werde die Lage in Libyen verharmlost. Alle Libyer vor Ort sagten ihr, sie solle sich keine Sorgen machen. «Ich wünsche jedem, der noch dort ist, dass er raus kommt.»

L'essentiel Online/dpa

Jet mit Ehefrau von Gaddafis Sohn darf nicht in Libanon landen

Ein Privatjet mit der libanesischen Ehefrau einer der Söhne von Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi an Bord durfte nicht auf dem Flughafen Beirut landen. Das berichtete ein libanesisches Radio am Mittwoch. Im Flugzeug der Frau von Hannibal Gaddafi waren auch andere Familienmitglieder.

Die libanesischen Flugbehörden weigerten sich am Dienstag eine Landegenehmigung für den internationalen Flughafen in Beirut zu erteilen, nachdem Libyen die Identität der Insassen nicht preisgeben wollte. Die Behörden in Beirut sollen daraufhin den Piloten aufgefordert haben, seine Maschine in ein angrenzendes Land zu fliegen, entweder Syrien oder Zypern. (dpa)

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