In Luxemburg – Hier wird ökologisches Wohnen bezahlbar
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In LuxemburgHier wird ökologisches Wohnen bezahlbar

ZOLWER – Ein WG-Zimmer plus eigenes Bad für 300 Euro warm, in einem klimafreundlichen Haus: Das bietet der Verein «Life» demnächst für junge Erwachsene an.

Die Wohnungsknappheit in Luxemburg kann der Verein Life nicht aus der Welt schaffen. Dessen sind sich seine Mitglieder bewusst. «Aber dazu beitragen, die Lage ein klein wenig zu entspannen», ist sich Gary Diderich sicher. Der Lösungsansatz des Vereins ist denkbar einfach: durch Wohngemeinschaften bezahlbaren Wohnraum schaffen. «Hierzulande ist das Angebot für WGs viel zu dünn», sagt der Déi-Lénk-Politiker, der sich bei Life engagiert.

Im Rahmen des WG Projet, das der Verein 2018 ins Leben gerufen hatte, hat Life in der Rue d'Ehlerange in Zolwer zum 30. Dezember 2019 ein Haus gekauft, in das bald sieben junge Menschen im Alter zwischen 18 und 26 einziehen sollen. Kostenpunkt: rund 862.000 Euro. Eine weitere Million fließt in die umfangreichen Renovierungsarbeiten, die in den kommenden 18 bis 24 Monaten durchgeführt werden und den Altbau auf den neuesten Stand bringen. Nach der Sanierung verfügt das Haus über zwei Wohnzimmer, zwei Küchen sowie sieben Schlafzimmer (zwischen 13 und 18 Quadratmeter), zu denen jeweils ein kleines Bad gehört. «Sozusagen eine WG für Einsteiger», sagt Diderich. Eines der Zimmer soll auch den Anforderungen eines Rollstuhlfahrers gerecht werden.

«Kein kommerzielles Interesse»

Der Verein will mit dem Projekt aber nicht nur bezahlbaren Wohnraum schaffen, sondern auch zum Klimaschutz beitragen. Aktuell liegt das Haus noch in der schlechten Energieeffizienzklasse I (i). «Durch die Renovierung erreichen wir die Klasse A und die Wärmeschutzklasse C», so Diderich weiter. Um dieses Ziel zu erreichen, werden umweltfreundliche Materialien zur Wärmedämmung verbaut sowie eine Solaranlage, eine Wärmepumpe, eine Regenwasseranlage für Toilettenspülung und Waschmaschine sowie eine Umluftanlage installiert.

Finanziert wird das Ganze zu einem Viertel vom Verein selbst und zu drei Vierteln vom Ministerium für Wohnungsbau. Den Kredit, den Life für das Haus in Zolwer bei der Spuerkeess aufgenommen hat, soll über die Mieten in 20 Jahren getilgt sein. Er läuft über ein alternatives Sparkonto der Initiative Etika für ökologische und soziale Projekte zu einem besonders günstigen Zinssatz. «Unser Verein verfolgt kein kommerzielles Interesse», betont Diderich.

Weitere Projekte folgen

Die Warmmiete für eines der Zimmer liegt bei etwa 300 Euro. Bewerben können sich nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Gruppen. «Natürlich organisieren wir im Vorfeld Treffen, um zu sehen, ob die Chemie zwischen den Jugendlichen stimmt», sagt Diderich. Kommt es innerhalb der WG zu Streitigkeiten, steht der Verein als Vermieter auch als Schlichter zur Verfügung.

Bisher hat Life acht Wohneinheiten gemietet, in denen 30 Personen leben. Das Haus in Zolwer ist die erste Immobilie, die der Verein gekauft hat. Eine weitere soll folgen. Außerdem planen Diderich und Co. mittelfristig ein Grundstück zu erwerben, auf dem der Verein fünf Häuser bauen will. Darin leben sollen nicht nur Jugendliche, sondern auch Alleinerziehende, Senioren sowie junge Familien.

(Sebastian Weisbrodt/L'essentiel)

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