Neue Studie – Hier wohnt der Terror

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Neue StudieHier wohnt der Terror

Welche Länder am meisten unter Terrorismus leiden, ist hinlänglich bekannt. Doch woher stammen die Täter? Auffällig viele lernen ihr Handwerk in Bürgerkriegen.

«Wir kämpfen gegen die Armut, weil Hoffnung eine Antwort auf den Terror ist», sagte US-Präsident George W. Bush ein halbes Jahr nach 9/11 an einer Konferenz für Entwicklungshilfe. Die Vorstellung, Armut treibe Menschen in die Verzweiflung und später in den Terrorismus, ist weit verbreitet. Mehrere Studien zum Thema sind allerdings zum Schluss gekommen, dass Terroristen mitnichten aus ärmlichen Verhältnissen stammen, sondern oft gut ausgebildet sind und behütet aufwuchsen. Doch woher kommen sie dann?

In einer neuen Studie kommen zwei Wissenschaftler zum Schluss, dass Armut höchstens einen indirekten Einfluss auf Terrorismus haben kann: Nauro Campus von der englischen Brunel University und Martin Gassebner von der ETH Zürich haben herausgefunden, dass Terroristen auffällig oft aus Bürgerkriegsgebieten rekrutiert werden. Armut oder die ungleiche Verteilung von Ressourcen kann mitunter ein Grund für den Ausbruch von Bürgerkriegen sein. Anders gesagt: Terroristen sind selbst nicht arm, stammen aber häufig aus armen Regionen.

Bürgerkriege schaffen «Lernumfeld»

Martin Gassebner von der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, spricht in diesem Zusammenhang von einem «Eskalationseffekt»: Politische Instabilität in einem Land kann in einen Bürgerkrieg ausarten. Häuserkampf und Guerillakrieg schaffen ein «Lernumfeld», das Kombattanten mit dem höchst anspruchsvollen Terrorhandwerk vertraut macht: Verschlüsselte Kommunikation, Kartenlesen, Erste Hilfe, Kampftechniken, Herstellung von Bomben, Umgang mit Feuerwaffen, Fluchtwege, Verhalten bei Verhören und vieles mehr.

Die Studie befasst sich ausschließlich mit Akten von internationalem Terrorismus. Das heißt, von drei Faktoren – Täter, Opfer, Ort – muss mindestens einer international sein. Am häufigsten ist das Muster, dass ein Terrorist in seinem eigenen Land aktiv wird, aber gegen ein ausländisches Ziel. «Die Anschläge von 9/11 sind in diesem Sinn eine Ausnahme, weil Terroristen kaum in ein anderes Land reisen, um dort zuzuschlagen», erklärt Gassebner. Allerdings sind nur 20 Prozent aller Terroranschläge weltweit international. Die restlichen 80 Prozent und damit die überwältigende Mehrheit entfällt auf Inlandstourismus, wenn zum Beispiel ein Iraker im Irak einen Anschlag gegen Iraker verübt.

Gefährliche Nähe zu den USA

In der Liste der Länder, aus deren Bürgerkriegen die meisten Terroristen hervorgingen, fallen viele afrikanische Staaten auf: Somalia, Angola, Sudan, Mozambique und in geringerem Mass Sierra Leone, Südafrika, Ruanda, Burundi und Liberia. Auch aus Afghanistan, wo seit nunmehr über 30 Jahren in verschiedener Ausprägung Krieg herrscht, und Sri Lanka stammen viele internationale Terroristen. In Afghanistan kommen viele Ausländer dazu, die in den dortigen Terrorcamps ausgebildet wurden – ein Faktor, den die Studie aufgrund fehlender Daten aber nicht berücksichtigen konnte.

Eine weitere interessante Erkenntnis der Studie «International Terrorism, Domestic Political Instability, and the Escalation Effect»: Politische Nähe zu den USA erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Terroranschlags in einem Land. Gemessen wurde dies konkret am Stimmverhalten in der UNO. Ein Land, das immer gegen die USA stimmt und plötzlich immer mit ihnen stimmen würde, müsste statistisch mit einer Verdreifachung der Terroranschläge auf heimischem Boden oder gegen die eigenen Staatsangehörigen im Ausland rechnen.

(K. Ramezani)

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