Milchkrise – Hilfsgeld für Luxemburger Bauern «ein Witz»

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MilchkriseHilfsgeld für Luxemburger Bauern «ein Witz»

LUXEMBURG - Die EU gibt 700.000 Euro an Hilfsgeldern für notleidende Landwirte im Großherzogtum frei. Doch für die Bauern ist das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Die Milchkrise setzt den 700 Milchbauern in Luxemburg zu.

Die Milchkrise setzt den 700 Milchbauern in Luxemburg zu.

AFP/Philippe Huguen

Die Luxemburger Bauern sollen 700.000 Euro der 500 Millionen EU-Hilfsgelder für Landwirte erhalten. Das hat die EU-Kommission am Dienstag in Luxemburg mitgeteilt, wo sie den europäischen Agrarministern Details der geplanten Hilfen vorstellte. Das Geld soll vor allem Milchbauern und Schweinefleisch-Produzenten helfen, die mit den niedrigen Preisen für ihre Produkte kämpfen.

Deutsche Bauern erhalten nach dem Plan der EU-Kommission fast 70 Millionen Euro an Hilfsgeldern. Die zweitgrößte Summe soll mit 62,9 Millionen Euro an Frankreich fließen, auf Platz drei folgt Großbritannien mit 36,1 Millionen Euro. Kriterium bei der Zuteilung ist vor allem der Umfang der Milchproduktion im Vorjahr.

«Das ist absolut keine Rettung»

Fredy de Martines vom Luxemburger Milchbauern-Verband LDB hält die 700.000 Euro für einen Tropfen auf dem heißen Stein. Im Großherzogtum gibt es gut 700 Milchbauern, was für jeden eine Subvention von 1000 Euro bedeuten würde: «Das ist ein Witz und absolut keine Rettung.» Laut den Landwirten bringen Hilfsmittel nur kurzzeitig Linderung. «Es kann nicht sein, dass wir von einer Krise in die nächste schlittern. Hilfsgelder sind nicht die Lösung. Es muss ein Mechanismus her, der Bauern mehr Macht am Markt gibt, damit sie die Produktion an die Nachfrage anpassen können.»

Milchpreis fällt ins Bodenlose

Milchbauern in ganz Europa kämpfen damit, dass der Milchpreis in den vergangenen Monaten von rund 40 Cent pro Kilo Rohmilch auf unter 30 Cent gesunken ist. Der Preisverfall ist Folge eines Überangebots von Milch, da Russland wegen der Ukraine-Krise ein Einfuhrverbot für europäische Agrarprodukte verhängt hat, die Nachfrage aus China gesunken ist und die EU-Milchquote im Frühjahr abgeschafft wurde. Schweinefleisch aus Europa führt Russland schon länger nicht ein.

Die EU-Agrarminister diskutierten heute auf dem Kirchberg über Details der Pläne, die noch grünes Licht der EU-Staaten benötigen. Dies gilt nach Angaben aus EU-Kreisen als Routine und soll innerhalb der nächsten Wochen erteilt werden. Die Zusammenkunft wurde von einigen Hundert protestierenden Bauern aus Belgien mit etwa 50 Traktoren begleitet. Das Tagungsgebäude wurde nach Polizeiangaben von Hunderten Polizisten geschützt. Die LDB distanzierte sich von der Aktion. Martines: «Der belgische Agrarverband handelt bei Demos oft aggressiv und setzt etwa Reifen in Brand. Damit wollen wir nichts zu tun haben. Aber wenn die Politik untätig bleibt, werden auch wir wieder den Druck erhöhen.» Mehr dazu unter: Diesen Polizisten stinkt der Bauern-Protest

(jt/dpa/L'essentiel)

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