Rasen-Manipulationen – Hitz, sein Bruder im Geiste und ein Vollpfosten
Publiziert

Rasen-ManipulationenHitz, sein Bruder im Geiste und ein Vollpfosten

Schuld ist meist der Rasen. Und seit Samstag Marwin Hitz. Ein Best-of von verrückten Manipulationen – vor und nach dem Spiel, auf und neben dem Platz.

Im Beisein des Schiedsrichters bearbeitete Marwin Hitz am Samstag in Köln das Stück Rasen links neben dem Elfmeterpunkt. Prompt wurde der Flecken Schütze Anthony Modeste zum Verhängnis, als er bei der Schussabgabe das linke Standbein an ebendieser Stelle platzierte und wegrutschte. Der Schweizer hielt, Augsburg siegte. Hitz, der vom DFB keine nachträgliche Strafe zu befürchten hat, entschuldigte sich danach für sein Handeln, das er als nicht «die fairste Aktion» bezeichnete. Es half ebenso wenig, die Gemüter zu beruhigen, wie die Tatsache, dass der Elfmeterpfiff ungerechtfertigt war. Der Shitstorm war längst entbrannt.

Brüder im Geiste

Zu einer fast identischen Sabotage war es im Sommer 2014 gekommen. Im Gegensatz zu Hitz hat es Torhüter Beom-Young Lee vom südkoreanischen Club Busan Ipark direkt auf den weißen Punkt abgesehen und malträtiert diesen unerbittlich. Auch hier vergibt der Schütze.

DER Schummeltorwart

So geht unfair auf Dänisch: Torhüter Kim Christensen vom schwedischen Club IFK Göteborg wird 2009 erwischt – und zwar beim Verschieben des Torpfostens. Auf dem Video ist zu sehen, wie der Schiedsrichter zum Tor marschiert und den Pfosten zurück in die Verankerung befördert. Und der Übeltäter lässt sich nach der Partie sogar noch entlocken, dass er dies ständig mache.

Voodoo im Strafraum

Mancherorts in Afrika ist es trotz strenger Verbote auch heute noch üblich, Hühner, Ziegen oder auch Kühe im Strafraum des Gegners zu vergraben. Immerhin: Seit 2004 werden die Witch-Doctors nicht mehr auf der Trainerbank geduldet. Manchmal braucht es nicht einmal Voodoo. Beim Spiel zwischen Ruanda und Uganda sind es Ersatzhandschuhe, die im Tornetz hängen und von den gegnerischen Fans als verhext, als Geisterhände angesehen werden. Die Folge: Prügeleien und ein Unterbrechung von fünf Stunden.

Zu kleines Feld inkl. ein Meter Höhenunterschied

In Freiburg sind Spielfeldmanipulationen kein Geheimnis. Denn im Dreisam-, mittlerweile Mage-Solar-Stadion, ist es üblich, eine Halbzeit bergauf und eine bergab zu spielen. Im Vorteil ist logischerweise jene Elf, die nach dem Seitenwechsel bergab läuft. Denn das Gefälle beträgt sage und schreibe 98 Zentimeter! Hinzu kommt, dass der Rasen mit 100,5 x 68 Meter zu klein ist. Die Deutsche Liga fordert in ihren Statuten 105 x 68 Meter. In Freiburg, wo seit Sommer Zweitliga-Fußball gespielt wird, bestätigt die Ausnahme die Regel. In Form einer jährlichen Sonderregelung.

Peps Hybridrasen

Über 1,6 Millionen Euro investierte Bayern München nach der Ankunft Pep Guardiolas für zwei neue Plätze, den im Stadion sowie einer an der Säbener Straße. Der Spanier wollte einen Hybridrasen, eine Mischung aus Kunst- und Naturrasen. Die Idee stammt aus England, dem Paradies für Rasenfreunde, und macht das Spiel schneller. Im Zwei-Zentimeter-Abstand wurde dem Grün in der Allianz-Arena mit einer überdimensionalen Nähmaschine Kunststoff implantiert.

Der Greenkeeper des Vertrauens

Der ehemalige englische Trainer Brian Clough hatte einen solchen. Je nasser, desto besser, lautet zwischen 1967 und 1973 das Motto bei Derby County, wo Bob Smith für das Grün verantwortlich ist. Er tut dies ganz im Sinne von Clough, der den Baseball Ground jeweils am liebsten geflutet hätte. In der Überzeugung, der Spielstil seiner Elf komme so am besten zur Geltung. «Er konnte mir vertrauen», so der Platzwart, der für den schlechtesten Rasen Englands, so sagt man, berühmt war. Witzig: Anfang November 2015 wurde der 73-Jährige von der Hochschule für Platzwarte (ja, das gibt es in England) für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Eisiger Empfang

Noch einer von der fußballverrückten Insel. Während der Saison 2000/01 wird der Boden der Gästekabine im McCain-Stadion von Scarborough mit Wasser geflutet. Nach einer bitterkalten Nacht bei offenen Fenstern finden die Aufstiegsaspiranten von Boston United eine Eisfläche vor. Der ungemütliche Empfang wird von einem flackernden Kabinenlicht begleitet. Die Psychospielchen zeigen Wirkung: Scarborough gewinnt 2:0.

(L'essentiel/als)

Deine Meinung