Boston-Anschlag – Hobbydetektive «helfen» FBI bei Fahndung

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Boston-AnschlagHobbydetektive «helfen» FBI bei Fahndung

Das FBI sucht fieberhaft nach dem Boston-Bomber. Manche Bürger wollen nicht tatenlos warten und fahnden auf eigene Faust. Die Grenze zwischen sachdienlichen Hinweisen und Terror-Hysterie verwischt.

Bei der Suche nach möglich Tätern und Motiven sei noch alles offen, sagte am Dienstag Richard DesLauriers, Special Agent des FBI in Boston. Das Verlangen der Menschen nach rascher Gewissheit, wer hinter dem abscheulichen Anschlag steckt, ist verständlich. Angesichts der Zurückhaltung des FBI und der Fülle an Bildmaterial stellen Medien und Bevölkerung teilweise eigene Ermittlungen an – und machen unweigerlich die Tür zur Terror-Hysterie auf.

In diese Kategorie dürfte der «Mann auf dem Dach» fallen: Reuters-Fotograf Dan Lampariello fing die erste Explosion aus sicherer Entfernung ein. Zahlreiche Leser entdeckten darauf die Umrisse eines Mannes auf einem Gebäude unmittelbar oberhalb des Tatorts. Auf Twitter wurden sogleich Theorien herumgereicht. Hat er die Bomben ferngezündet?

Auch einzelne Medien sprangen auf: Das britische Boulevardblatt «The Sun» sprach von einem «gruseligen Bild» von einer «geheimnisvollen Figur», die auf dem Dach «herumschleicht». Die deutsche «Welt» fragte: «Warum zeigt der Mann auf dem Dach keine Regung?» Zur Erinnerung: Es handelt sich um ein verpixeltes Standbild. Am Dienstagnachmittag hatte der Hype ein Ausmaß erreicht, dass sogar das FBI bestätigte, Kenntnis vom «Mann auf dem Dach» zu haben.

Wie sieht eine «normale» Reaktion nach einer Explosion aus?

Wesentlich plausibler erscheint der Hinweis eines Zuschauers, der beim Tatort eine Tasche neben einem Briefkasten entdeckt hat. Nach der Explosion war sie nicht mehr zu sehen – ein möglicher Hinweis darauf, dass die Bombe darin versteckt war. Er schickte die Bilder dem TV-Sender CBS, der sie veröffentlichte. Allerdings räumte der Zuschauer ein, dass zwischen den beiden Aufnahmen mehr als eine Stunde vergangen war.

Daneben gibt es Bilder von Personen, deren Verhalten unmittelbar nach der Explosion aus der Maße heraussticht. Auf einem rennt eine Person in die zum Rest der Masse entgegengesetzte Richtung. Dies könnten wertvolle Hinweise sein. Allerdings lässt sich schwer sagen, wie «normales» und entsprechend «verdächtiges» Verhalten in einer solchen Ausnahmesituation aussieht.

Arabische Passagiere mussten Flugzeug verlassen

Die Nerven liegen ohnehin schon blank: Auf einem American-Airlines-Flug von Boston nach Chicago mussten zwei Passagiere das Flugzeug verlassen – weil sie arabisch sprachen. Die Maschine kehrte noch vor dem Start zum Gate zurück, die beiden Männer wurden hinaus eskortiert und in Gewahrsam genommen. Laut «Fox 25» waren mehrere Marathon-Teilnehmer an Bord. Sie hatten aus Angst die Crew verständigt.

Selbst Humor kann in der momentanen Lage nach hinten losgehen: Eine Folge der beliebten Zeichentrickserie «Family Guy» musste am Dienstag vom Netz genommen werden, weil sich Hauptfigur Peter Griffin daran erinnert, wie er einmal dutzende Läufer über den Haufen fuhr, um den Marathon zu gewinnen. Gleichzeitig tauchte ein manipuliertes Video auf, in dem Griffin sich mit dem Handy verwählt und damit eine Bombe zündet. Schon war die Theorie geboren, die Macher der Serie hätten den Anschlag vorhergesagt. Der Fernsehsender Fox teilte mit, dass man sich bemühen werde, die Videos auf YouTube entfernen zu lassen.

Manipuliertes «Family Guy»-Video:

(L'essentiel Online/kri)

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