Unter Verdacht – Hört Facebook ständig mit?

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Unter VerdachtHört Facebook ständig mit?

Werbung zu Produkten, über die man vor Tagen noch mit Freunden geredet hat: Angeblich belauscht uns Facebook ständig. Was ist dran am Vorwurf?

Der Verdacht ist so alt wie das soziale Netzwerk selbst. Immer wieder berichten Facebook-Nutzer, dass ihnen im Newsfeed Werbung für Produkte angezeigt wird, über die sie in Gesprächen geredet hätten. Und das nicht nur beim Telefonieren.

Tatsächlich hört Facebook in den USA seit 2014 die Umgebungsgeräusche mit, wenn Nutzer ihren Status updaten. Allerdings nach Angaben des Unternehmens mit einigen Einschränkungen. Die Funktion müsse explizit eingeschaltet werden und komme außerhalb der USA nicht zum Einsatz.

Facebook-Sprecher dementiert

Doch was steckt hinter dem Vorwurf, dass Facebook unsere Gespräche mithört? Pressesprecher Stefan Meister sagt: «Wir kriegen immer wieder Anfragen dieser Art. Und können diese definitiv mit Nein beantworten.» Die Smartphone-App greife nur dann auf das Mikrofon zu, wenn ein Nutzer bewusst eine Video- oder Audio-Aufnahme mache – und dazu auch einwillige.

Aus Sicht von Meister müsse die Frage umgekehrt lauten: «Warum spricht jemand über ein Produkt?» Und der Pressesprecher gibt die Antwort gleich selbst: «Wohl weil jemand in den letzten Tagen oder Wochen Kontakt mit einer Werbeanzeige hatte oder das online gesehen oder angeklickt hat.»

Außerdem ist der Abhörvorwurf auch aus rechtlicher Sicht heikel. Würde Facebook tatsächlich ohne Zustimmung der Nutzer Gespräche aufzeichnen und diese gar für die Verarbeitung an Dritte weitergeben, kann das laut Rechtsanwalt Martin Steiger «auf Antrag mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft werden.» Allein die Aufbewahrung einer solchen Aufnahme ist laut Steiger strafbar.

Alles Quatsch?

Zweifelsohne verdient Facebook sein Geld vor allem durch Werbung. Daten wie Website-Besuche, Suchanfragen, Standorte und Likes, die Nutzer hinterlassen, werden alle erfasst. Ein Grund warum das Unternehmen – wie auch Google – gemeinhin als Datenkrake beizeichnet wird. Wenn diese Informationen zusammengeführt werden, entstehen genaue Nutzerprofile.

«Was die Menschen dann meistens erleben, wird Re-Marketing oder Re-Targeting genannt. Das heißt, sie haben irgendwann in der letzten Zeit einen Blog, einen Online-Shop oder eine Hersteller-Website besucht. Diese Website nutzt dann Facebook, um die Besucher noch einmal zu erreichen», so Meister.

(L'essentiel)

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