Paulette Lenert – «Hoffe auf eine Trendwende bis zum Sommer»
Publiziert

Paulette Lenert«Hoffe auf eine Trendwende bis zum Sommer»

LUXEMBURG – Die Gesundheitsministerin spricht im Interview über ihre Rückkehr zur Arbeit und über die kommenden Wochen in der Pandemie.

L'essentiel: Wie ist es Ihnen ergangen, seitdem sie Ihre Arbeit wieder aufgenommen haben?

Paulette Lenert: Bis jetzt geht es mir gut. Ich habe eine kleine Pause eingelegt, um mich zu erholen, und seitdem fühle ich mich großartig.

Haben Sie etwas in ihrem Alltag geändert?

Ich versuche, mir disziplinierter Pausen zu gönnen, aber die Arbeitsbelastung ist so hoch, dass es eine echte Herausforderung ist. Es ist für jeden wichtig, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Wir predigen Gesundheit, also müssen wir eine gute Work-Life-Balance vorleben.

Haben Sie den Druck in der Spitzenpolitik unterschätzt?

Das glaube ich nicht. Es ist ein riesiges Arbeitspensum und ich war nicht die Einzige, die erschöpft war. Ich glaube nicht, dass das etwas damit zu tun hat, das ich neu in der Regierung bin.

Hat Sie die Härte, mit der es in der politischen Welt zugeht, überrascht?

Ja und nein. Hierzulande geht es in der Politik weniger hart zu, als in anderen Ländern. Der politische Diskurs bleibt in der Regel respektvoll. Ich bin mir aber bewusst, dass man in der Politik nicht zu empfindlich sein sollte.

Hat Sie die Berichterstattung über Ihren gesundheitlichen Zustand gestört?

Ein wenig schon, weil sich meine Freunde und Familie deshalb noch größere Sorgen gemacht haben. Ich bekam eine Menge Anrufe und Nachrichten, was zu diesem Zeitpunkt nicht gut war. So gesehen war es eine zusätzliche Belastung. Aber ich habe auch eine enorme Unterstützung erfahren.

Was denken Sie über das Verhältnis zwischen der Exekutive und dem Parlament während dieser Krise?

Es gab einen sehr intensiven Austausch, der mit der Entscheidung verbunden war, die Krise über das Covid-Gesetz zu managen, weil es eigentlich keinen expliziten Rahmen für das Pandemie-Management gibt.

Die Opposition hat nicht mit Kritik gespart...

Wir wurden von Anfang an kritisiert: Wir waren zu schnell mit Lockerungen, oder eben nicht schnell genug, je nach Zeitgeist. Wenn die Situation gut ist, werden wir dafür kritisiert, zu restriktiv gewesen zu sein; wenn die Situation schwierig ist wird, wird uns vorgeworfen, nicht genug getan zu haben. Aber ich muss sagen, dass es auch einige sehr konstruktive Momente aus der Opposition gab, mit guten Vorschlägen.

Bringen parlamentarische Anfragen von Abgeordneten noch etwas?

Sie tragen zur öffentlichen Debatte bei und ich hoffe, sie werden gelesen. Aber es ist trotzdem schwer für unsere Teams, denn die Antworten müssen vorbereitet und jedes Wort gut gewählt sein. Manchmal sind die Informationen kaum bekannt, wenn wir aufgefordert werden, eine Position einzunehmen, ohne dass wir Zeit hatten, uns zu beraten und zurückzutreten.

Wie beurteilen Sie die europäische Strategie zur Bestellung von Impfstoffen?

Es wurde kritisiert, weil die EU länger als andere Länder gebraucht hat, mit dem Impfungen zu beginnen. Aber wir haben uns die Zeit genommen, den Datenschutz zu gewährleisten. Schnellere Länder, wie Großbritannien und Israel, erklärten sich bereit, alle Patientendaten zu übergeben, was in Europa nicht akzeptiert worden wäre. Die Menschen vergessen dies oft.

Sieht Luxemburg mit den jüngsten Maßnahmen das Licht am Ende des Tunnels?

Ich hoffe es! Ich bin recht optimistisch, denn wir sehen die Wirkung der Impfung in den betroffenen Altersstrukturen. Wir wollen, dass die Lebensfreude wieder einkehrt, und wir hoffen, in den nächsten Wochen weitere Fortschritte zu machen. Die letzten Lockerungen haben keine Cluster generiert.

Gibt es einen Zeitplan für den Weg aus der Krise?

Das hängt von der mittelfristigen Wirkung von Impfungen ab. Ich bin optimistisch, dass wir bis zum Sommer einen Trendwende hinbekommen, ohne ganz aus der Krise zu kommen. Aber es hängt von den Varianten ab, es liegt also noch Unruhe in der Luft.

(Joseph Gaulier/L'essentiel)

Deine Meinung