Wahl in Frankreich – Hollande trumpft auf - Sarkozy greift an
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Wahl in FrankreichHollande trumpft auf - Sarkozy greift an

Der Sozialist François Hollande steigt als klarer Favorit in die französische Präsidentenwahl. Nicolas Sarkozy aber gibt nicht auf – er hofft auf den Nahkampf.

Jetzt glaubt auch François Hollande an den Triumph. «Niemand hält uns auf! Niemand wird uns stoppen!», ruft er mit sich überschlagender Stimme seinen mehr als 100 000 Anhängern zu. «Der Sieg, er kommt am 6. Mai!» Ein gewaltiges rot-weißes Fahnenmeer in den Farben des Parti Socialiste (PS) weht vor dem Schloss von Vincennes im Osten von Paris. Kalter Aprilwind pfeift um die Bühne. Schwarze Regenwolken brauen sich zusammen. Doch Hollande bellt energisch dagegen an: «Der Neuanfang, er kommt jetzt. Ich bin bereit.»

Der Kandidat der Sozialisten, der wegen seines Hangs zur Korpulenz als «Wackelpudding» verspottet wurde, der nie ein Ministeramt bekleidete, gibt sich erstmals wirklich siegessicher. Eine Woche vor der ersten Runde am kommenden Sonntag, drei Wochen vor der Stichwahl, will er sich den Triumph nicht mehr nehmen lassen. Am 6. Mai, so sehen es alle Demoskopen, kann Hollande den Élysée-Palast nach 17 Jahren mit konservativen Präsidenten für die Sozialisten zurückerobern.

Sarkozy unbeliebtester Präsident der Nachkriegsgeschichte

Für den ersten Wahlgang sehen ihn die Umfragewerte Kopf an Kopf mit Nicolas Sarkozy bei rund 28 Prozent. Im Hinblick auf die zweite Runde aber hat er einen Vorsprung zwischen sechs und 14 Punkten. Schlimmer noch für den Amtsinhaber, der 2007 als «Super-Sarko» mit riesigen Hoffnungen und noch größerem Ego gestartet war: 64 Prozent der Franzosen sind mit seiner Leistung unzufrieden. So unbeliebt war kein Präsident in der Nachkriegsgeschichte der Grande Nation.

Aber Sarkozy wäre nicht Sarkozy, würde er die Waffen strecken. Zur selben Zeit wie Hollande in Vincennes kämpfte er auf der Place de la Concorde im Zentrum von Paris, um das Ruder doch noch herumzureissen. «Französinnen, Franzosen, helfen Sie mir!», rief der Amtsinhaber seinen mehr als 100 000 Anhängern zu.

Mit EU-Skeptizismus am rechten Rand fischen

Mit donnernder Stimme versuchte er, die «schweigsame Mehrheit» aufzurütteln. Die Gefolgschaft der rechtsextremen Front-National-Chefin Marine Le Pen. Und die vielen französischen EU-Skeptiker, für die Brüssel das Synonym für Spardiktate und einen Angriff auf die nationale Souveränität ist.

Zwar bedient auch Hollande die EU-Verdrossenen. Er will den von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel durchgeboxten Fiskalpakt «neu verhandeln», Wachstumsmassnahmen hinzufügen, das Spardiktat abfedern. Was er aber vor allem und mit Erfolg versucht: Sich gegenüber dem aggressiven Amtsinhaber als Wohlfühlpräsidenten zu verkaufen. Er will Zuversicht, Solidarität und Mitgefühl verkörpern. «Niemand wird fallen gelassen, jeder hat seinen Platz in Frankreich», kontert er Sarkozys Werben um den rechten Rand. Und Hollande bedient damit eine tiefe Sehnsucht der Franzosen.

(L'essentiel Online/Tobias Schmidt)

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