Buntes Gift – Hortensien-Kiffer haben wieder Saison

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Buntes GiftHortensien-Kiffer haben wieder Saison

Der Frühling ist da – und die Hortensien-Diebe gehen um. Sie stehlen die Triebe und Blumen aus Gärten, um sich daran zu berauschen. Doch Ärzte warnen.

Blau, rosa, weiß, rot: Hobby-Gärtner mögen die Hortensie wegen ihrer bunten Blüten. Die Ziersträucher locken aber auch andere Liebhaber an. Besonders im Frühjahr kommt es in Deutschland gehäuft zu Hortensien-Diebstählen, berichtet die «Welt online». Bei Polizeiämtern in Bayern gingen in den vergangenen Wochen Dutzende Anzeigen wegen geplünderten Vorgärten ein.

Legal und billig

Als Täter dringend verdächtig sind die Hortensien-Kiffer. Der Pflanze mit ihren perlartigen Fruchtknoten wird im Dunstkreis der Rausch-Raucher nämlich Marihuana-ähnliche Wirkung nachgesagt. Es konsumieren nicht nur Jugendliche, auch Ältere bedienen sich der Naturdroge. Besonders beliebt als Basis für die abenteuerlichen Joints sind dabei die jungen, zarten Frühlingstriebe der Gewächse.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Drogen sind die Gartenpflanzen nicht illegal. Und Heidemarie Lux, Oberärztin am Klinikum in Nürnberg, hat noch eine weitere Erklärung: «Es ist oft eine Sache des Preises. Im Vergleich zum Kauf von Opiaten oder Cannabis ist es natürlich spottbillig, sich Hortensien aus einem Vorgarten zu stehlen.»

Die berauschende Wirkung der Hortensie ist womöglich aber nur Schall und Rauch. Dr. Hugo Kupferschmidt vom Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum in Zürich sagt: «Hortensien gehören nicht zu den nachweisbar psychoaktiven Pflanzen. Sie enthalten keine bekannten Inhaltsstoffe, die Marihuana-ähnliche Wirkungen haben.»

Tödliche Blausäure

Unbestritten ist jedoch die Gefahr, der sich sich die Freistil-Kiffer aussetzen, denn Hortensien enthalten cyanogene Glykoside, die im menschlichen Stoffwechsel Blausäure freisetzen und unter Umständen zu lebensbedrohlichen Vergiftungen führen können. Mögliche Folgen sind Bewusstlosigkeit und Kreislaufkollaps. Cyanogene Glykoside sind unter anderem auch in Steinobstkernen und Bittermandeln enthalten.

Auf jeden Fall rät Experte Kupferschmidt vom Hortensien-Rauchen ab: «Generell ist der Konsum von Pflanzen mit unbekannter Wirkung in der Hoffnung auf Rauschzustände mit großen Risiken verbunden.» Und Hortensien-Kiffen ist nicht der einzige gefährliche Versuch, sich mit Naturprodukten einen Rausch zu verschaffen, weiß der Drogenexperte: «Es gab in der Vergangenheit Todesfälle nach dem Konsum von Engelstrompeten und Tollkirschen aufgrund der darin enthaltenen Alkaloide», so Kupferschmidt.

(L'essentiel Online/mg)

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