Jüdischer Friedhof – Hunderte Gräber in Sarre-Union geschändet

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Jüdischer FriedhofHunderte Gräber in Sarre-Union geschändet

GROSSREGION - Antisemitische Tat in Frankreich: Fast die Hälfte der 400 Gräber auf dem Friedhof von Sarre-Union wurden geschändet.

Auf diesem jüdishen Friedhof in Sarre-Union im Osten Frankreichs wurden die Gräber geschändet. (Bild: AFP/Frederick Florin)

Auf diesem jüdishen Friedhof in Sarre-Union im Osten Frankreichs wurden die Gräber geschändet. (Bild: AFP/Frederick Florin)

Auf einem jüdischen Friedhof im Osten Frankreichs sind mehrere hundert Gräber geschändet worden. Das teilte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve am Sonntagabend mit.

Demnach ereignete sich der Vorfall in der Ortschaft Sarre-Union im Verwaltungsgebiet Bas-Rhin. Cazeneuve verurteilte «diese abscheuliche Tat» aufs Schärfste. «Die Republik wird diese neue Verletzung der von den Franzosen geteilten Werte nicht tolerieren», erklärte der Innenminister. Genauere Angaben zu der Tat machte er nicht.

Täter dingfest machen

Cazeneuve versicherte, dass keine Gewalt oder auf Hass begründete religiöse Intoleranz «unseren unzerstörbaren Willen wird brechen können, zusammen in Freiheit zu leben». Er hatte nach den Anschlägen in Kopenhagen am Sonntag die Opfer dort geehrt.

Regierungschef Manuel Valls verurteilte die Entweihung der Gräber in der elsässischen Niederrhein-Gemeinde als einen «schändlichen und antisemitischen Akt». Die Regierung werde alles tun, um die Verantwortlichen für diese Tat dingfest zu machen. Auch Staatspräsident François Hollande äußerte sich entrüstet. Er versprach, die Täter würden gefasst und bestraft werden.

Sorge über zunehmenden Antisemitismus

Er könne alle diese antisemitischen Akte in ihren verschiedenen Formen nicht mehr ertragen, sagte Roger Cukierman, Chef der jüdischen Dachorganisation (Crif) in Frankreich. «Das haben wir am 9. Januar in Paris gesehen, am Samstag in Kopenhagen und heute im Elsass», so Cukierman.

Bei der islamistischen Angriffsserie in Paris waren am 9. Januar vier Juden bei dem Anschlag auf ein Geschäft mit koscheren Lebensmitteln getötet worden. Im vergangenen Jahr hatten die antisemitischen Aktionen und Drohungen in Frankreich massiv zugenommen.

Bereits zum dritten Mal geschändet

Der jüdische Friedhof von Sarre-Union ist bereits zum dritten Mal geschändet worden. Im Jahr 1988 wurden etwa 60 jüdische Stelen dort umgeworfen und im Jahr 2001 mehr als 50 Gräber verwüstet.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Sonntag, er rechne damit, dass sich die Angriffsserie in Europa fortsetzen werden. Zugleich betonte er, dass Juden aus der ganzen Welt in Israel willkommen seien. Sein Land bereite sich auf eine Einwanderungswelle aus Europa vor.

(L'essentiel/sda)

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