Luxemburgerin in Telenovela – «Hunderte haben für die Rolle vorgesprochen»

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Luxemburgerin in Telenovela«Hunderte haben für die Rolle vorgesprochen»

LUXEMBURG - Sehnsucht nach Luxemburger Joghurt und jeden Tag 30 Seiten Text lernen: Hana Sofia Lopes aus dem Großherzogtum spielt in einer portugiesischen TV-Soap.

L'essentiel: Sie haben ihre Ausbildung am «Conservatoire national supérieur d'art dramatique de Paris» gemacht. Dort haben Sie hauptsächlich klassische Dramen gespielt. Jetzt sind Sie Teil der Telenovela «Coração D'Ouro». Ist der Unterschied nicht riesig?
Hana Sofia Lopes: Wir sind uns einig, dass die Szenarien bei Telenovelas sehr einfach sind im Gegensatz zu den klassischen Dramen. Und ja, ich höre oft Kritik, dass ich in einer Seifenoper mitspiele. Ich kann das auch nachvollziehen. Aber als Absolvent ist es ein sehr gutes Training für die nächsten zwei Jahre. Ich habe täglich mindestens zehn Szenen zu drehen. Meine Kollegen haben alle viel Erfahrung. Zum Beispiel Miguel Guilherme, der in der Serie meinen Vater spielt. Er ist in Portugal sehr bekannt und hat in über 50 Filmen mitgespielt. Von ihm kann ich eine Menge lernen. Aber sicher will ich nicht mein ganzes Leben in Soaps mitspielen.

Wie ist Ihre Rolle in der Serie?
Ich spiele Adriana, eine Pianistin, die ein Musikgeschäft führt und Karriere machen will. Ich habe für diese Rolle extra das Klavierspielen gelernt. Für schwierige Stücke gibt es aber zum Glück noch ein Double. Etwa hundert Schauspielerinnen haben für die Rolle vorgesprochen. Ich selbst wurde von Verantwortlichen der Produktionsfirma gefragt, da ich mit ihnen bereits für die Serie «Kids Rock» zu Jahresbeginn zusammengearbeitet habe.

«Coração D'Ouro» (Herz aus Gold) wird seit September ausgestrahlt. Bis Juli 2016 sollen 300 Episoden zu je 50 Minuten zu sehen sein. Wie empfinden Sie diese hohe Schlagzahl?
Das Tempo war ich bislang nicht gewohnt. Ich habe zuvor ja meist in Theaterstücken und Filmen mitgespielt. Wir nehmen am Tag zwölf Stunden auf. Ich stehe im Schnitt in vier Tagen pro Woche sechs Stunden vor der Kamera. Und dazu kommt noch die Arbeit außerhalb der Dreharbeiten. So muss ich jedes Mal 30 Seiten Text lernen. Aber um es kurz zu machen: Ich mache das gern. Es ist großartig.

Mit so einem engen Zeitplan werden Sie kaum die Chance haben, in nächster Zeit nach Luxemburg zu kommen, oder?
Ja, das ist wahr. Es wird schwierig aufgrund der Dreharbeiten noch andere Projekte anzugehen. So musste ich auch Theaterstücke mit zwei Rollen in Luxemburg aufgeben. Im Januar oder Februar 2016 werde ich spätestens wieder in Luxemburg sein. Dann beginnen die Dreharbeiten zu einem Spielfilm, bei dem ich eine wichtige Rolle bekommen habe.

Sie sprechen Französisch, Portugiesisch, Spanisch, Deutsch, Englisch und Luxemburgisch. Eigentlich perfekt für eine internationale Karriere.
Das ist aber nicht mein Verdienst. Es ist ein Verdienst von Luxemburg. Bei den Castings sind viele Leute oft erstaunt über meine Mehrsprachigkeit. Aber für mich, wie für die meisten Luxemburger, ist das völlig normal. Natürlich hilft mir das enorm. Gerade für Co-Produktionen, die in Luxemburg häufig vorkommen, bringt das große Vorteile.

Sie pendeln zwischen Luxemburg, Paris und Lissabon. Wo fühlen Sie sich am meisten zu Hause?
Ich bin generell ein Mensch, der Fernweh hat. Wenn ich zu lange an einem Ort bin, will ich weg. In Luxemburg war ich jetzt schon acht Monate nicht mehr. Ich merke, dass es mir enorm fehlt. Lustig ist, dass ich vor allem einfache Dinge vermisse. Gerade jetzt habe ich zum Beispiel wieder einen verrückten Wunsch: Ich würde gerne einen Luxemburger Joghurt essen...

(Fatima Rougi/L'essentiel)

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