«Sie haben uns geschnappt» – Hysterischer Notruf eines Teenagers
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«Sie haben uns geschnappt»Hysterischer Notruf eines Teenagers

Zwei Mädchen aus Utah behaupten, gekidnappt und während 19 Stunden misshandelt worden zu sein. Vieles bleibt unklar. Die Polizei veröffentlicht die Aufnahmen.

«Sie haben uns im Auto mitgeschleppt», schluchzt das Mädchen hysterisch ins Telefon. «Atme tief durch und sag mir, was los ist», versucht die 911-Zentrale die Jugendliche zu beruhigen. «Ich weiß nichts, sie haben uns mitgenommen.»

Diesen verstörenden Anruf erhält die Polizei von Bountiful im US-Bundesstaat Utah am 9. September um 21.20 Uhr. Zwei Mädchen im Alter von 16 und 17 Jahren geben an, zwei Männer und eine Frau hätten sie gekidnappt.

19 Stunden lange Fahrt ins Ungewisse

Laut Polizei verbrachten die beiden Mädchen die Nacht bei einem Sleepover (Pyjama-Party). Um zwei Uhr beschlossen sie, sich aus Scherz wegzuschleichen. Sie spazierten durch die Straßen von Bountiful, als ein roter Geländewagen anhielt. Eine blonde Fahrerin und zwei männliche Passagiere sollen die Mädchen mit Gewalt zum Einsteigen genötigt und mit Klebeband gefesselt haben.

Während 19 Stunden seien die Entführer mit den Mädchen durch die Gegend gefahren. Dabei gelang es einer der beiden, sich zu befreien und auch die Fesseln der Freundin zu lösen.
Als es dunkel geworden sei, seien die zwei männlichen Entführer aus dem Wagen gestiegen – die Teenager hätten diese Chance genutzt, um zu fliehen. Dabei waren sie weit von zu Hause weg, in der Stadt Santaquin, rund 100 Kilometer von Bountiful entfernt.

«Klebeband um den Hals und auf dem Mund»

Die Mädchen erzählten der Polizei, wie sie versucht hätten, ein Auto anzuhalten. Viele Autofahrer seien vorbeigefahren. Endlich habe eine Frau angehalten. Laut ABC News steht Tammy Morrison an einer Verkehrsampel, als die Mädchen am Fenster klopften. «Sie waren hysterisch», erinnert sie sich. «Eine hatte Klebband um den Hals und auf dem Mund. Es war verrückt.»

Die Mutter des einen Mädchens erzählt: «Ich stellte sofort fest, dass sie traumatisiert war», sagt sie. Die Entführer hätten die Mädchen geschlagen, sobald sie sich bewegten. «Meine Tochter erlitt an mehreren Stellen Schnittwunden.» Keines der Mädchen habe medizinische Hilfe beansprucht, doch das Trauma dauere bis heute fort, sagte die Mutter des anderen Mädchens einem TV-Reporter. «Sie geht nirgendwo mehr allein hin, nicht einmal im Haus.»

Ein Beamter der lokalen Polizei sagte gegenüber good4Utah, es gebe keine Zweifel, dass die Mädchen gekidnappt worden seien. «Man kann es an ihren Stimmen hören.»

Viele offene Fragen

Die Rekonstruktion der Entführung gestaltet sich dennoch schwierig. Die Mädchen können keine detaillierten Angaben zum Auto machen, aber immerhin zu den Entführern: ein Anfang 20-Jähriger mit hellbraunem Haar und Tattoo auf dem linken Arm, ein Mitte 30-Jähriger und eine blonde Frau zwischen 25 und 35 Jahren.

Trotzdem bleiben viele Fragen offen: Wieso meldete niemand die Mädchen nach ihrem Verschwinden als vermisst? Was wollten die Entführer von den Mädchen? Und schliesslich: Stimmt die Geschichte oder ist sie ein schlechter Scherz zweier Pubertierender? Um diesen Fragen nachzugehen, sucht die Polizei jetzt Zeugen, die die Geschichte der Teenager bestätigen und die Entführer möglicherweise beschreiben können.

(L'essentiel/sut)

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