Londoner Sklavinnen – «Ich bin gefangen wie eine Fliege im Spinnennetz»

Publiziert

Londoner Sklavinnen«Ich bin gefangen wie eine Fliege im Spinnennetz»

Das jüngste Opfer, die britische Presse nennt sie Rosie, hat einem Nachbarn 220 Briefe und Fotos geschickt. «Ich will, dass du die Wahrheit kennst», schrieb sie laut «The Sun».

«Diese Monster», das ist das 67-jährige Ehepaar: Er soll aus Indien, sie aus Tansania stammen. Den beiden wird vorgeworfen, eine Britin (30), eine Irin (57) und eine Malaysierin (69) während 30 Jahren gefangengehalten und misshandelt zu haben. Das Paar soll den drei Frauen in dieser Zeit eine dermassen starke Gehirnwäsche verpasst haben, dass diese jede Hilfe von aussen ablehnten.

Der Inder und seine Frau gehörten laut «Daily Mail» einer radikalen marxistischen Gruppierung an, die bis zu ihrer Auflösung in den 70er-Jahren ihren Hauptsitz im britischen Brixton hatte. Das Paar habe ihr ältestes Opfer, die 69-jährige Malaysierin, in diesem Rahmen kennengelernt und gefügig gemacht, so die «Daily Mail».

Briefe an den Nachbarn

Das jüngste Opfer vertraute sich in vielen Briefen seinem Nachbarn Markus Feneck an, die sie mit «Rosie» zeichnete. Offenbar sprach dieser das benachbarte Paar auf Rosie an, worauf dieses sich als Verwandte der 30-Jährigen ausgab. Rosie drohten sie damit, Nachbar Feneck etwas anzutun, sollte sie diesen weiter benachrichtigen. «Sie sagten, sie werden dir Schaden zufügen, wenn ich nicht verspreche, mich von dir fernzuhalten», heisst es in einem Brief an Feneck. «Dann haben sie mich eingesperrt und alle Türen und Fenster verriegelt. Ich wage nicht, etwas zu unternehmen, denn ich weiß, sie werden dir sonst etwas Böses antun. Ich bin gefangen, wie eine Fliege im Spinnennetz.»

Auch Dutzende Fotos legte die 30-jährige Britin bei, darunter Aufnahmen von sich selbst und von den beengten Räumen, in denen sie hauste. Gegenüber «Daily Mail» sagte Feneck: «Rosie berichtete mir, dass sie nach Grossbritannien gekommen sei, als ihre Eltern in einem Feuer starben. Die Leute, bei denen sie lebte, hätten sie adoptiert.» Die anderen beiden Frauen habe er kaum je zu Gesicht bekommen, so Feneck. «Ich sah sie ein- oder zweimal im Jahr. Ihre Namen verrieten sie mir nie.»

Traurig: Die Freundlichkeit des Nachbarn, den sie offenbar im Treppenhaus traf, verwechselte sie mit Liebe. «Sie schickte mir Fotos von sich und meinte, wir wären füreinander bestimmt.» Als Fenecks Freundin bei ihm einzog, schrieb Rosie ihr beleidigende Briefe und beschimpfte die Frau. Feneck: «Ich verständigte die Polizei nicht. Ich wusste, das Mädchen hat zuhause schon genug Probleme.»

Ein neues Leben aufbauen

Die drei Frauen befinden sich in der Obhut der Hilfsorganisation Freedom Charity. Hier sollen sie lernen, mit ihrer neu gewonnenen Freiheit umzugehen und ihr Leben aufzubauen. Derweil kommt das Londoner Sozialamt unter Druck. Dieses hatte vor 15 Jahren Kontakt zu den «Adoptiveltern» von Rosie aufgenommen, da diese nicht zur Schule ging. Doch es geschah nichts, Rosie geriet in Vergessenheit.

(L'essentiel Online/gux)

Deine Meinung