Thorunn – «Ich fühle mich wie nach einem Marathon»

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Thorunn«Ich fühle mich wie nach einem Marathon»

ESCH/BELVAL - Die Sängerin Thorunn stellt am Sonntagabend ihr Album «The Jar» vor. Einige Hörproben gibt's jetzt schon auf «L'essentiel online» und ein Interview über Musik, Ehestreit und Promistatus.

«L'essentiel»: Deine Musik beschreibst du als «Musik fürs Kopfkino». Wie hast du dieses Thema umgesetzt?
Thorunn: Pop trifft Filmmusik, die beiden gehören ja eigentlich zusammen, werden aber nie richtig vermischt. Ich habe versucht, mehr ins Detail zu gehen. Für das dritte Album war es wichtig, herausgefordert zu werden. Dieses Mal hatte ich sehr viel Input von meinem Mann Thomas Schoos, der Singer-Songwriter ist, und meinem Produzenten Ian Livingston, der aus dem Bereich Filmmusik kommt. Es klingt nicht mehr nach kommerziellem Pop. Es ist definitiv experimentell, aber mit einer starken Linie darin. Manchmal klingt es auch mysteriös. Das Album ist eine Winter-CD.

Wie war es, mit deinem Ehemann an der Platte zu arbeiten?
Wir haben vor zwei Jahren das erste Lied zusammen geschrieben. Wir hatten nicht vor, gemeinsam ein Album zu produzieren. Aber dann hat es so gut geklappt, dass wir uns sagten: «Lass uns eine CD zusammen machen». Aber dann fingen die Streitereien an. Ein Paar, das zusammen arbeitet, ist schlimm, weil beide keine Hemmungen haben, zu sagen, was sie denken. Thomas war so streng mit den Texten und es war ihm nie gut genug. Aber ich war sehr überrascht über sein enormes Songwriting-Talent. Er singt auf dem Album die zweite Stimme, aber es wird schon fast zum Duett. Heute lachen wir über unsere Streitereien. Das Album hat uns zusammengeschweißt. Ich habe noch nie so viel für etwas gearbeitet. Ich fühle mich, als wäre ich einen Megamarathon gelaufen, aber es ist ein schönes Gefühl.

Bei deinem Konzert wird das Publikum nicht nur deine neuen Lieder hören…
Mit den Musikern werden wir zu neunt auf der Bühne sein. Eine isländische Künstlerin hat mir ein Regenschirmkleid genäht und ich werde Regenmütze und gelbe Gummistiefel tragen. Ein Berliner Art-Director hat für jeden Song einen Film geschaffen, der isländische Landschaften zeigt.

Ist für dich die Musik ein Hobby, für das man eben Geld ausgibt?
Es kommt finanziell etwas zurück, zum Beispiel bei Auftritten, aber es ist für jedermann hart, von der Musik zu leben. Es ist ein teurer Spaß. Was ich schade finde, ist, dass wir oft von anderen um eine CD gebeten werden. Und dann kann man nicht «nein» sagen. Aber für uns Künstler ist es ein großer Verlust, weil es immer wieder geschieht. Es lastet auch ein enormer Druck auf mir, weil ich will, dass meine Musiker zufrieden sind. Das sind alles Professionelle, die müssen bezahlt werden. Ich kann ja meinen Zahnarzt auch nicht bitten, mir gratis den Zahn aufzufüllen

Du verbringst viel Zeit in Berlin. Ist das deine neue Heimat?
Ja, neben Luxemburg ist es meine Wahlheimat. Ich brauche diese Abwechslung. Am Anfang war mir Berlin zu groß, weil ich mich in Luxemburg sehr sicher fühle. Mittlerweile liebe ich Berlin, weil dort jeder Mensch seinen Platz hat. Luxemburg hingegen ist klein, süß und pittoresk. Jeder kennt jeden, dir wird in Notlagen geholfen. In Berlin zu leben, ist schwierig, wenn es dir schlecht geht. Aber die Berliner sind so cool drauf. Viele haben kein Geld und für sie ist es trotzdem ok.

Hast du in Luxemburg eine Art Promi-Status?
In Island denken die Leute, ich wäre hier ein Megastar. Ich lache mich tot, wenn ich das höre. Wer ist denn hier ein Star? In Luxemburg ist man eine Dorfbekanntschaft. Ich bin bekannt, aber kein Promi. Mich als Promi zu sehen, fände ich peinlich. Ich war schon auf «Bunte»- und «Gala»-Events in Berlin und dort laufen einige D-Promis herum. Das sind die, die am meisten angeben. Ich fühle mich dort fehl am Platz und mit der Boulevard-Presse will ich auch nichts zu tun haben. Ich sage meine Meinung zur Kunst, aber nicht zu Privatem.

Ist Luxemburg zu klein für dich?
Es ist ein bisschen eng und ich würde natürlich gerne mehr Leute erreichen. Von der Warte aus gesehen, ja. Allerdings bietet Luxemburg immer mehr Möglichkeiten. Ich finde es wahnsinnig toll, wie viele Leute sich in der Kunst engagieren. Ich versuche, mein neues Album im Internet zu pushen. Da ich ohne Label und Manager arbeite, schreibe ich auch deutsche Radiosender an. Mal schauen, was dabei rauskommt.

Hören Sie hier in das neue Album «The Jar» hinein!

Thorunn Ochsenburg
Thorunn A_Lovers_Right
Thorunn Under_Water
Thorunn True_Face
Thorunn Feel_Good
Thorunn Willow
Thorunn Insect
Thorunn Hello_Sunshine
Thorunn Say_Something
Thorunn Misnota
Thorunn Berlin
Thorunn Cheruba
Thorunn Sands_Of_Time
Thorunn Idioms

(Kerstin Smirr)

Thorunn, am Sonntag in der Rockhal.

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