Luxemburg – «Ich habe Angst, mein Kind an einem Ort zu bekommen, den ich nicht kenne»

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Luxemburg«Ich habe Angst, mein Kind an einem Ort zu bekommen, den ich nicht kenne»

LUXEMBURG – Nach der vorübergehenden Schließung der Entbindungsstation im Ettelbrücker CHdN, werden schwangere Frauen an die Krankenhäuser in der Hauptstadt verwiesen. Eine Betroffene erzählt ihre Geschichte.

von
Séverine Goffin
Die vorübergehende Schließung der Entbindungsstation des CHdN in Ettelbrück bereitet Betroffenen große Sorgen.

Die vorübergehende Schließung der Entbindungsstation des CHdN in Ettelbrück bereitet Betroffenen große Sorgen.

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Die vorübergehende Schließung der Entbindungsstation des Centre Hospitalier du Nord (CHdN) in Ettelbrück ist für viele werdende Mütter im Norden des Landes ein Schock – und eine zusätzliche Stresssituation. Zumal die Krankenhäuser in der Hauptstadt weit weg sind. «Die Geburt meiner Großen war schon kompliziert», erzählt Louise*, die am Ende des Monats ihren Geburtstermin hat, «deshalb war ich froh, in eine Entbindungsstation in der Nähe meines Wohnortes zu gehen, wo ich mich sicher fühle».

Doch seit Montag ist alles anders. «Ich habe erfahren, dass ich ganz alleine in ein mir unbekanntes Krankenhaus gehen werde, das eine Stunde von meinem Wohnort entfernt liegt», sagt sie, «ich habe Angst». Die 30-Jährige gehört zu den werdenden Müttern, die an eine der Entbindungsstationen der beiden großen Krankenhäuser der Hauptstadt (CHL und HRS) verwiesen wurden, nachdem die Entbindungsstation des CHdN ebenso kurzfristig wie unerwartet geschlossen wurde. «Ich hatte nicht einmal die Wahl, in welches Krankenhaus ich weitergeleitet wurde», sagt Louise.

Eine Stunde Autofahrt für jede Untersuchung

Als Hausfrau und Mutter musste die junge Frau ihren Alltag neu organisieren. «Das Ärzteteam, das mich betreut, hat sich geändert. Meine Gynäkologin hat mich an eine ihrer Kolleginnen in der Hauptstadt verwiesen», erzählt sie, «das bedeutet, dass ich für jede Untersuchung eine Stunde fahren muss». Auch für den Tag X wurden alle Pläne durcheinander gebracht. «Ursprünglich sollte ich meine Tochter bei der Nachbarin abgeben, die mich zur Entbindungsstation in Ettelbrück fahren würde», erzählt sie, «jetzt muss mein Mann im Notfall kommen, aber auf der Arbeit ist er nicht immer auf seinem Handy erreichbar.»

Doch Louise ist auch wegen der Komplikationen während ihrer ersten Geburt beunruhigt. «Das CHdN hat gesagt, dass extreme Notfälle dort versorgt werden», sagt sie, «aber das würde bedeuten, dass ich in einer leeren Entbindungsstation mit nur einem Bereitschaftsdienst entbinden muss». Und schließlich ist da noch der Krankenhausaufenthalt vor der Heimreise. «Mein Umfeld ist weit weg», sagt die 30-Jährige, «und mit den wegen Corona reduzierten Besuchszeiten werde ich meine Große eine Stunde am Tag sehen und den Rest der Zeit allein verbringen.»

Louise* – Name von der Redaktion geändert

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