Afroamerikanische Aufklärung – «Ich habe nichts, womit ich Sie verletzen könnte»
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Afroamerikanische Aufklärung«Ich habe nichts, womit ich Sie verletzen könnte»

Afroamerikanische Eltern in den USA führen mit ihren Kindern früh Aufklärungsgespräche. «The Talk» dreht sich um die Frage: Wie überlebe ich eine Begegnung mit der Polizei?

Unter «The Talk» verstehen Weiße und Schwarze in den USA etwas anderes. Für die einen geht es um Sexualaufklärung, bei den anderen um den lebensrettenden Umgang mit der Polizei.

Die Mehrheit der afroamerikanischen Kinder werden schon im frühen Alter, manche schon als Sechsjährige, von einem Elternteil darüber aufgeklärt, wie sie sich bei einer Polizeikontrolle zu verhalten haben. Wie ihre Hände stets sichtbar sein sollen, sie nie davonrennen, nie einem Polizisten widersprechen, stets freundlich und ruhig sein und unbedrohlich wirken sollen.

Wer sich an diese Regeln nicht hält, so die Botschaft, riskiert, von den Hütern des Gesetzes verhaftet, geschlagen, getötet zu werden. «Sei extra höflich, wenn du mit der Polizei sprichst, auch mit Lehrern, mit Leuten in Machtpositionen, denn die haben die Möglichkeit, dein Leben schwerer zu machen», ist einer der Sätze, den jedes afroamerikanische Kind schon gehört hat.

Mehrheit der Todesopfer durch Polizeigewalt

Offizielle Statistiken belegen, dass Afroamerikaner unter den Todesopfern durch Polizeigewalt die Mehrheit sind. Entsprechend gehört «The Talk» längst zum afroamerikanischen Alltag. In einem Video (oben) erklären Kinder, wie sie Polizisten in kritischen Situationen begegnen würden: «Ich bin Ariel Sky Williams», piepst etwa ein kleines Mädchen, «und ich habe nichts, womit ich Sie verletzen könnte».

Das geht ans Herz. Auch vielen Social-Media-Nutzern, die die Aufnahme vor dem Hintergrund der landesweiten Unruhen wegen Polizeigewalt bereits tausendfach teilten und kommentierten. «Eine Erinnerung an mein Privileg, weiß zu sein. So ein Gespräch führten meine Eltern nie mit mir», so eine Twitter-Userin. «Bei einer Polizeikontrolle hatte ich nur Angst vor einer Strafe und den Kosten. Diese Ungerechtigkeit muss aufhören.»

(L'essentiel/Ann Guenter)

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