Positiv getestet – «Ich kann mir das Ergebnis nicht erklären»

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Positiv getestet«Ich kann mir das Ergebnis nicht erklären»

Radprofi Fränk Schleck hat bestritten, eine verbotene Substanz eingenommen zu haben. Ihm war bei der Tour de France eine «anormale» Dopingprobe entnommen worden.

Der Luxemburger Radprofi Fränk Schleck hat sich von der postiiven Dopingprobe bei der Tour de France überrascht gezeigt. In eienr Pressemitteilung erklärte er: «Ich bestreite, irgendeine verbotene Substanz eingenommen zu haben. Ich kann mir das Kontrollergebnis nicht erklären und bestehe daher auf die Untersuchung der B-Probe, die mir zusteht. Wenn diese Analyse das erste Resultat bestätigt, werde ich wegen Vergiftung Anzeige gegen Unbekannt erstatten.»

Bei Fränk Schleck war eine «anormale» Dopingprobe entnommen worden. Wie der Radsport-Weltverband UCI am Dienstagabend mitteilte, wies eine Urinprobe des Luxemburgers vom 14. Juli das Diuretikum Xipamid auf. Die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete, die Einfahrt zum Teamhotel in der südfranzösischen Stadt sei am frühen Abend von der Polizei blockiert worden. Schleck sei am Abend gegen 18 Uhr über das Ergebnis des Tests unterrichtet worden.

Der Radprofi wurde am Abend von der Polizei in Pau verhört. Er soll sich freiwillig dorthin begeben haben, möglicherweise um einer Verhaftung zu entgehen. Er wurde auch von Ermittlern der Sonderheit OCLAESP - der in Frankreich auch für Doping zuständigen Behörde für die öffentliche Gesundheit - verhört, wie die französische Nachrichtenagentur AFP meldete. Gegen 23.30 Uhr habe er das Revier verlassen.

Diuretika werden im Radsport häufig dazu verwendet, Dopingmittel zu verschleiern. Nach den Anti-Doping-Regeln der UCI führt der Befund nicht automatisch zu einer Sanktion. Allerdings forderte der Verband den Rennstall RadioShack auf, «die nötigen Schritte zu ergreifen».

Ausschluss durch RadioShack

Die Mannschaft teilte daraufhin mit, dass Schleck nicht mehr an der laufenden Tour teilnehmen wird. In einer Mitteilung von RadioShack hieß es, man habe beschlossen, Schleck aus der Tour zurückzuziehen, damit er die reguläre Prozedur der Doping-Kontrolle in Ruhe vorbereiten könne. Zu der gefundenen Substanz teilte die Teamleitung mit, Xipamid werde nicht in der medizinischen Betreuung des Teams benutzt und man könne sich das Vorhandensein der Substanz in der Blutprobe nicht erklären.

Das bekannte und bei Dopern berüchtigte Labor Chatenay-Malabry am Stadtrand von Paris hatte Xipamid bei der am Tag der 13. Etappe entnommenen Probe entdeckt. Schleck hat vier Tage Zeit, die Öffnung der B-Probe zu beantragen.

Der letztjährige Tour-Dritte war als einer der Kapitäne von RadioShack in die Frankreich-Rundfahrt gestartet. Nach Problemen in der ersten Woche rangierte der 32-Jährige zuletzt auf Rang zwölf.

Am Dienstagabend, dem zweiten Tour-Ruhetag - stattete die Polizei dem RadioShack-Teamhotel in Pau einen Besuch ab. Die Einsatzkräfte blockierten dabei den Eingang zum Hotel, vor dem sich bereits viele Reporter eingefunden hatten. Entgegen erster Meldungen seien die Zimmer von der Polizei aber nicht durchsucht worden.

Diuretika als Verschleierungsmittel

Im Vorjahr war beim Russen Alexander Kolobnew ebenfalls ein Diuretikum entdeckt worden. Der Fahrer wurde nur wenige Stunden später von seinem Team Katusha aus dem Rennen genommen. Der russische Verband verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 1500 Euro. Die UCI legte Einspruch ein, scheiterte aber vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS - Kolobnew wurde freigesprochen.

«Diuretika werden im Radsport dazu benutzt, andere Präparate aus dem Körper zu spülen», erklärte Helge Riepenhof, Teamarzt bei Omega Pharma-Quick Step, der Nachrichtenagentur dpa. «Die Gabe ist ansonsten kontraproduktiv, weil Diuretika dem Körper Flüssigkeiten entziehen und damit Minerale.» In anderen Sportarten wie Boxen oder Bodybuilding werden harntreibende Mittel zur Gewichtsreduzierung verwendet.

(L'essentiel Online/dpa/mth)

Andy glaubt an die Unschuld seines Bruder

«Bei meinem Leben und bei meiner Familie, bin ich sicher, dass er nichts genommen hat», sagte Andy Schleck, der Tour-Sieger 2010 und jüngere Bruder des Verdächtigten, der Zeitung «Le Parisien». Weitere Reaktionen gibt's hier.

Diuretika

Diuretika sind Substanzen, die auf die Nieren einwirken und zu einer vermehrten Harnausscheidung führen. In der Medizin werden sie bei Bluthochdruck angewendet und um Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme) auszuschwemmen. Durch die Anwendung von Diuretika können Urinproben so "verwässert" werden, dass ein Nachweis von Dopingsubstanzen nicht mehr möglich ist.

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