Gewalt gegen Frauen – «Ich liebe ihn, aber er wird sich nie ändern»

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Gewalt gegen Frauen«Ich liebe ihn, aber er wird sich nie ändern»

LUXEMBURG - Maria ist bereits zum zweiten Mal seit 2007 im Frauenhaus gelandet. Ihr Freund hatte sie eingesperrt. Die 25-Jährige teilt ihr Schicksal mit vielen anderen.

«Gewalt gegen Frauen wird weniger tabuisiert als noch vor ein paar Jahren.»

«Gewalt gegen Frauen wird weniger tabuisiert als noch vor ein paar Jahren.»

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Maria ist im fünften Monat schwanger. Seit Januar ist sie zurück im Foyer Femmes en Détresse. Zum zweiten Mal kommt die 25-Jährige in einem der beiden Frauenhäuser der Hauptstadt unter, wo Frauen aufgenommen werden, die unter physischer und/oder psychischer Gewalt leiden. «Das erste Mal - im Jahr 2007 - war ich wegen meines Ex-Manns hier», berichtet Maria. Sie ist lange nicht die einzige.

«Im vergangenen Jahr haben wir 41 Frauen aufgenommen. Die meisten von ihnen waren 30 bis 40 Jahre alt», erklärt Tania Bozuric, die sich um die Frauen kümmert. Seit 14 Jahren arbeitet sie im Frauenhaus. Doch dass die Anzahl der Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt werden, deutlich angestiegen ist, kann sie nicht bestätigen.

Mehr Fälle von häuslicher Gewalt

Auch wenn die Zahlen eine deutliche Sprache zu sprechen scheinen: Lag die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt 2010 in ganz Luxemburg noch bei 589, waren es 2011 bereits 675. Auch die Zahl der Wohnungsverweise, mit denen mutmaßliche Täter ihrem Opfer ferngehalten werden können, stieg von 264 (2010) auf 331 im vergangenen Jahr, wie aus der am Montag von der Polizei veröffentlichten Kriminalstatistik hervorgeht.

«Gewalt im familiären Umfeld wird weniger tabuisiert und Frauen verlassen ihre Partner früher als es noch vor ein paar Jahren der Fall war», meint Tania Bozuric. «Viele Frauen gehen aber erst, wenn der Mann zum Beispiel auch anfängt, die Kinder zu schlagen. Sie brauchen Jahre bis sie sich zu diesem Schritt durchringen können. Aus Erfahrung sind sie in diesem Stadium völlig isoliert, haben weder Freunde, noch Kontakt zu ihrer Familie.»

«Er hat mich mit meiner Tochter eingesperrt»

Von den 94 Frauen, die 2011 einen Antrag auf Aufnahme ins Foyer Femmes en détresse gestellt haben, hat die Hälfte nie wieder ein Lebenszeichen von sich gegeben. Nur eine von fünf dieser Frauen wurde tatsächlich aufgenommen. «Frauen in einer solchen Situation haben jegliches Selbstvertrauen verloren«, weiß Tania Bozuric. «Zudem haben wir eine Wartezeit von etwa einem Monat.»

(L'essentiel Online mit Chloé Murat)

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