Frauen dürfen Auto fahren – «Ich musste weinen, als ich die Nachricht hörte»

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Frauen dürfen Auto fahren«Ich musste weinen, als ich die Nachricht hörte»

Nachdem sich Manal al-Sharif ans Steuer gesetzt hatte, wurde sie 2011 verhaftet. Nun spricht sie über die vom König erlassene Fahrerlaubnis für Frauen – und ihren nächsten Kampf.

Der Kampf dauerte 27 Jahre lang. Jetzt hat der saudische König Salman per Dekret angeordnet, Führerscheine auch an Frauen auszustellen. «Ich musste weinen, als ich die Nachricht hörte», sagte Manal al-Sharif am Morgen nach der Verkündigung dem Sender ABC News Australia (siehe Video oben).

Al-Sharif ist das wohl bekannteste Gesicht der Protestbewegung Women2Drive. Sie rief diese ins Leben, nachdem sie sich 2011 dem Fahrverbot im Königreich widersetzt hatte und dafür im Gefängnis gelandet war. Dass Frauen nun ans Steuer dürfen, ist für die 38-Jährige der «Schlüssel zur Veränderung», wie sie im Interview sagte.

«Glaube das erst, wenn ich es sehe»

Viele Frauen im Land konnten die Neuigkeit zunächst nicht fassen: «Das glaube ich erst, wenn ich es mit eigenen Augen sehe», sagte Schatha Dusri, eine Angestellte der Ölfirma Aramco in Dahran im Osten des Landes. Eine Frau twitterte ein Foto von drei Frauen in einem Cabriolet auf Einkaufstour. «Bald auch wir», schrieb sie dazu.

Andere spotteten über ultrakonservative Geistliche, die sich so lange erfolgreich gegen ein Ende des Banns gewehrt hatten – unter anderem mit dem Argument, Frauen am Steuer förderten die sexuelle Freizügigkeit oder ihre Eierstöcke würden beim Fahren beschädigt.

«Zeit, sich um ein noch wichtigeres Anliegen zu kümmern»

Auf Twitter jubelte Menschenrechtsaktivistin al-Sharif: «geschafft» – und kündigte gleich Pläne für ihren nächsten Kampf an.

Es sei nun an der Zeit, sich um ein weiteres, vielleicht noch wichtigeres Anliegen zu kümmern, sagte Al-Sharif zum Sender. Unter dem Hashtag #IamMyOwnGuard hat sie eine Kampagne gegen die männliche Vormundschaft gestartet. Das Gesetz verlangt, dass saudi-arabische Frauen jeweils die Erlaubnis eines männlichen Verwandten – des Vaters, Ehemannes, Sohnes, Bruders – einholen, um etwa einen Pass zu beantragen oder Reisen ins Ausland zu unternehmen.

«Wir bekommen keine Antwort»

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nannte das Vormundschaftssystem in einem Bericht vom vergangenen Jahr «das wesentlichste Hindernis zur Verwirklichung der Frauenrechte im Land». In einer Petition hatten 2016 bereits 14.500 Menschen im Königreich gegen die männliche Vormundschaft unterschrieben.

Damals sagte die Aktivistin Aziza al-Yousef zu BBC, Kampagnen zu führen, sei für saudische Frauen kein Problem. Das Problem sei: «Wir bekommen keine Antwort.» Manal al-Sharif zeigt sich auf Twitter jedoch hoffnungsvoll: «Regen beginnt mit einem Tropfen», schreibt sie.

(L'essentiel/kko/afp)

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