Süchtig – «Ich schaue lieber Pornos, als Sex zu haben»
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Süchtig«Ich schaue lieber Pornos, als Sex zu haben»

Was die Pornosucht für Auswirkungen auf den Alltag hat und wie sehr diese eine Beziehung gefährdet – wir sprachen mit einem Betroffenen.

Sven* ist 25 Jahre alt, studiert, jobbt nebenbei – und ist pornosüchtig. Die Diagnose hat er zwar nie von offizieller Seite her bestätigt bekommen, doch er ist sich ziemlich sicher: «Ich verbringe keinen Tag, ohne mindestens einmal Pornos zu schauen. Meine Freundin muss meist früher aufstehen als ich, deshalb findet mein erster Besuch auf einer Pornoseite bereits frühmorgens statt.»

Seit fünf Jahren ist Sven bereits mit seiner Freundin zusammen. Sie wohnen nicht in derselben Wohnung, teilen das Bett aber fast jede Nacht miteinander. Seine Freundin weiß nichts von seiner Sucht. «Ich glaube, sie würde das nicht verstehen und wäre gekränkt», antwortet er auf die Frage, was sie dazu sagen würde, «sie würde denken, sie sei nicht gut genug für mich. Dabei hat das eine nichts mit dem anderen zu tun.»

«Wenn meine Freundin kommt, hab ich schon drei- bis viermal»

Sven wirkt nicht bedrückt wegen seiner Sucht. «Es belastet mich nicht. Schließlich gefährde ich mit dieser Sucht weder meine Gesundheit, noch mein Leben. Ich schade niemandem – nicht mal mir selbst. Aber manchmal hab ich ein schlechtes Gewissen meiner Freundin gegenüber. Denn ich liebe sie sehr, aber genau so sehr liebe ich Pornos.» Svens Sexleben ist nicht mehr so spannend wie zu Beginn der Beziehung. Dies ist unter anderem auf seine Pornosucht zurückzuführen: «Natürlich ist es normal, dass Paare, je länger sie zusammen sind, umso weniger Sex haben miteinander. Aber meistens habe ich mich schon drei- bis viermal selbst befriedigt, wenn meine Freundin kommt und hab überhaupt keine Lust mehr auf körperliche Nähe. Allgemein schaue ich lieber Pornos, als dass ich Sex habe. Manchmal denke ich sogar während dem Sex: 'Jetzt würde ich mich lieber selbst befriedigen'.» Sven und seine Freundin haben etwa vier- bis fünfmal Sex im Monat.

Sven schaut Pornos, wenn ihm langweilig ist. Manchmal stundenlang am Stück. «Bei keiner sonstigen Aktivität vergeht die Zeit so schnell», sagt er. Professionelle Hilfe will er keine beantragen: «Solange meine Freundin sich nicht beschwert, sehe ich keinen Grund, etwas zu ändern.» Manchmal schaut er zusammen mit ihr einen Porno. Das sei dann jeweils das größte Highlight für ihn.

*Name von der Redaktion geändert

(L'essentiel/Alpcan Özkul)

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