Jobs' Vision aus dem Jenseits – «Ich sehe Großes auf uns zukommen»

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Jobs' Vision aus dem Jenseits«Ich sehe Großes auf uns zukommen»

Steve Jobs war seiner Zeit weit voraus. Das zeigt ein «Playboy»-Interview von 1985: Schon damals sprach er vom World Wide Web und der Revolution der Information.

Steves Jobs 1984 mit dem damaligem Apple-CEO John Sculley und Apple-Mitgründer Steve Wozniak (von links). (Bild: Keystone/AP/SAL VEDER)

Steves Jobs 1984 mit dem damaligem Apple-CEO John Sculley und Apple-Mitgründer Steve Wozniak (von links). (Bild: Keystone/AP/SAL VEDER)

«Wir sind noch in einem primitiven Stadium. Doch bereits heute braucht der Macintosh weniger Strom als eine 100-Watt-Glühbirne. Was der Computer in 20 oder 50 Jahren leisten wird? Es wird viel größer als die Revolution der Ölindustrie.» In dieser Revolution, der Informationsrevolution, gehe es ebenfalls um günstige Energie – um günstige intellektuelle Energie.

Als Steve Jobs dies gegenüber der Zeitschrift «Playboy» sagte, war er gerade mal 29 Jahre alt. Damals waren Computer bessere Schreibmaschinen und standen nur in wenigen Haushalten. Doch der Apple-Gründer fand schon vor fast 30 Jahren, dass der Computer das unglaublichste Werkzeug sei, das die Welt je gesehen hat.

Im «Playboy»-Interview von 1985, das die SonntagsZeitung Ende August auszugsweise publizierte, sagte er: «Ein Computer kann ein Schreibinstrument, eine Kommunikationszentrale, ein Superrechner, ein Planer, ein Archivar oder ein Musikinstrument sein, alles in einem.» Es gebe kein anderes Werkzeug, das diese Leistung und Vielseitigkeit habe. «Und wir haben keine Ahnung, wozu es in Zukunft fähig sein wird.»

«Wir stehen vor einem Durchbruch»

Jobs spürte, in welche Richtung sich die Computer-Welt bewegen würde: Er war schon Mitte der 80er Jahre überzeugt, dass Apple einst wertvoller sein würde als die damals übermächtigen Ölkonzerne. Zudem prophezeite er den Siegeszug des Internets und wusste, dass die Computer zu Hause einmal unerlässlich sein würden.

Im «Playboy»-Interview sagte er vor 26 Jahren: «Der primäre Grund für einen Computer zu Hause ist heute: um zu arbeiten oder sich oder Ihre Kinder weiterzubilden. Wenn Sie das nicht tun wollen, kann ich Sie nicht von einem Computerkauf überzeugen.» Aber das werde sich ändern: «In Zukunft werden wir Computer kaufen, um uns in ein landesweites Kommunikationsnetz einzuwählen. Wir stehen vor einem Durchbruch, der für die meisten Menschen ebenso bemerkenswert sein wird wie die Telefonie.»

Welchen Durchbruch? Auf diese Frage antwortete Jobs damals: «Da kann ich nur spekulieren. Wir sehen in unserer Industrie sehr viel. Ich spüre etwas sehr Großes auf uns zukommen.»

L'essentiel Online/som

Rauswurf bei Apple

Wenige Wochen nach dem «Playboy»-Interview von 1985 wurde Steve Jobs von John Sculley bei Apple entlassen. Jobs hatte Sculley nur zwei Jahre zuvor bei Pepsi Cola mit der Frage weggelockt: «Willst du dein Leben lang Zuckerwasser verkaufen oder mit mir die Welt verändern?» Jobs gründete daraufhin die Firma NeXT, die er 1996 an Apple verkaufte, um als CEO zurückzukehren. Apple stand damals kurz vor dem Bankrott.

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